(Pop)Kultur und ein schwarzer US-Präsident:
Jetzt bloß keine Negro Spirituals singen!
06.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Schon auf seinem letzten Album hatte Nas einen Song dem «Black President» geweiht: «Amerika, überrasch mich / und lass dich von einem Schwarzen führen!» Wie ihn, hatte Obama die gesamte HipHop-Szene schnell hinter sich gebracht: Er traf sich medienwirksam mit Nas und Jay-Z; Black-Eyed-Peas-Rapper Will.i.am produzierte ein Stück zum Slogan «Yes, we can!» mit prominenten schwarzen Musikern wie Herbie Hancock, John Legend und Common - der übrigens schon in seinem 2004 erschienenen Anti-Bush-Rap «Why» die visionäre Frage vortrug: «why don't we impeach him and elect Obama?», warum jagen wir Bush nicht aus dem Amt und wählen stattdessen Obama?
Es waren die jungen Leute, vor allem die HipHop-Community, die Kraft und Vertrauen gespendet haben - jetzt wird ihr Traum Wirklichkeit!» Sean «Diddy» Combs sekundiert: «Das ist der stolzeste Tag in meinem Leben.»
«1. Jetzt bloß keine negro spirituals singen! Und vor allem: keine Zitate von Dr. King bringen.
2. Verkneifen Sie sich, auf jeden weißen Mitbürger zuzuspringen, der irgendwie wie ein Redneck aussieht, und ihn mit Häme zu übergießen: 'Tut weh, was? Tut wirrrrrklich verdammt weh, was?'
3. Rufen Sie nicht Ihre weißen Kollegen zusammen, um ihnen eine Einführungsstunde in die 'schwarze Kultur' zu erteilen, bloß weil der Präsident jetzt schwarz ist und Ihr Euch gefälligst mal auf den Hosenboden setzen solltet'!
4. Glauben Sie nicht, dass Sie sich beim Kfz-Amt, auf der Post oder in sonst einer Behörde einfach vordrängeln dürfen, nur weil 'Obama hinter mir steht'.
5. Versprechen Sie nicht, Ihren Erstgeborenen nach Barack Obama zu nennen. Wir sind auf unserem Weg weit gekommen, aber Barack Obama Jackson klingt dennoch nicht halb so gut, wie Sie jetzt vielleicht denken.»
Aber nicht nur «die Schwarzen» müssen sich umstellen, auch für «die Weißen» bricht eine neue Zeit. Für sie haben die Redakteure von theroot.com ebenfalls fünf Verhaltensregeln zusammengestellt: «no we can't, white folks».
«1. Sehen Sie davon ab, allen Ihren schwarzen Freunden persönlich zu gratulieren. 'Die Schwarzen' sind keine Football-Mannschaft, und Obama hat nicht den Super Bowl gewonnen.
2. Sparen Sie sich die Bekundung, dass Sie 'niemals gehofft hätten, diesen Tag erleben zu dürfen'. (Wieso sollten ausgerechnet Sie das nicht gehofft haben?)
3. Unterlassen Sie es, sofort die Straßenseite zu wechseln, sobald sich auf diese Weise die Gelegenheit ergibt, neben einem Schwarzen zu gehen. Präsident Obama freut sich, dass Sie die Überwindung der Rassentrennung befürworten; aber auch in seiner Amtszeit wird die Verletzung von Straßenverkehrsregeln nicht toleriert.
4. Sparen Sie sich jedes Namedropping mit 'Dr. King'. Wenn Sie unbedingt einen Kommentar dazu abgeben wollen, dass dies eine historische Stunde für die Bürgerrechtsbewegung ist, dann wählen Sie dazu eine Galionsfigur, die wenigstens ein bisschen unbekannter ist als King.
5. Sprechen Sie nicht von 'weißen Leuten', als würden Sie selber nicht dazugehören. Anders als es gelegentlich dargestellt wurde, wird man durch das Wählen von Obama nicht automatisch zu einem unserer Brüder. Wir bedauern, wenn es in dieser Hinsicht widersprüchliche Informationen gegeben haben sollte.»
Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der «Berliner Zeitung.

