(Pop)Kultur und ein schwarzer US-Präsident: 

netzeitung.deJetzt bloß keine Negro Spirituals singen!

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Auch bekannt und für Obama: Jay-Z und Sean Combs (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Auch bekannt und für Obama: Jay-Z und Sean Combs
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Obama und seine Freunde: Nas rappt für die tote Oma, theroot.com erlässt gar Verhaltensmaßregeln für den neuen Alltag unter einem schwarzen Präsidenten. Jens Balzer hat sich die mal angeschaut.

Diesmal wurden die Wünsche erhört. Vor vier Jahren hat die Grüne Laterne noch vergeblich für den Wechsel gerappt. «Mosh» hieß das Stück, mit dem DJ Green Lantern - legendärer New Yorker Hip- Hop-Produzent und Politik-Aktivist - und sein Freund Eminem in den Wahlkampf 2004 gegen George W. Bush zogen: «Stomp, push up, mush, fuck Bush,» hieß es darin; im dazugehörigen Zeichentrickvideo setzte sich Eminem an die Spitze einer gewaltigen Demonstration, die das Oval Office zum Einsturz bringen wollte.

Daraus ist, wie man weiß, nichts geworden; aber DJ Green Lantern gab nicht auf: «Election Night» heißt sein Beitrag zum Wahlkampf 2008. Noch am Dienstagmorgen hat er ihn spontan mit dem Rapper Nas produziert und über MTV, YouTube und Webseiten wie yourblackworld.com um die Erde geschickt. Zu gesampelten Fragmenten aus Obama-Reden gedenkt Nas hier zunächst seiner am Montag gestorbenen Großmutter: «Das Land erwartet Antworten von ihm / und jetzt muss er auch noch mit dem Tod seiner Oma fertig werden», heißt es. «In langen Schlangen stehen wir vor den Wahllokalen», rappt Nas stolz weiter, nachdem er sich als Erstwähler geoutet hat: «Und das, wo man den Schwarzen sonst vorwirft, sie seien zu träge zum Wählen.»

Schon auf seinem letzten Album hatte Nas einen Song dem «Black President» geweiht: «Amerika, überrasch mich / und lass dich von einem Schwarzen führen!» Wie ihn, hatte Obama die gesamte HipHop-Szene schnell hinter sich gebracht: Er traf sich medienwirksam mit Nas und Jay-Z; Black-Eyed-Peas-Rapper Will.i.am produzierte ein Stück zum Slogan «Yes, we can!» mit prominenten schwarzen Musikern wie Herbie Hancock, John Legend und Common - der übrigens schon in seinem 2004 erschienenen Anti-Bush-Rap «Why» die visionäre Frage vortrug: «why don't we impeach him and elect Obama?», warum jagen wir Bush nicht aus dem Amt und wählen stattdessen Obama?

Ja, wir haben es getan - «Yes, we did it!» jubelt nun die Nachrichtenseite allhip-hop.com in großen Lettern und weist stolz darauf hin, dass Obama in der Gruppe der 18- bis 35-Jährigen - «in der HipHop-Generation!» - die besten Ergebnisse hat; und Russell Simmons, inzwischen 51-jähriger Mitbegründer des Def-Jam-Labels, Entdecker und Produzent von Gruppen wie Run-DMC und den Beastie Boys, sagt: «Viele ältere Amerikaner haben so hart und so lange dafür gekämpft, dass Senator Obama überhaupt für dieses Amt kandidieren konnte - und haben dennoch nicht daran geglaubt, dass er es wirklich schafft.

Es waren die jungen Leute, vor allem die HipHop-Community, die Kraft und Vertrauen gespendet haben - jetzt wird ihr Traum Wirklichkeit!» Sean «Diddy» Combs sekundiert: «Das ist der stolzeste Tag in meinem Leben.»

Aber wie geht es nun weiter, da die Wahl gewonnen ist? Wie sollen sich die Schwarzen unter einem schwarzen Präsidenten in Zukunft verhalten? Auf der Internetseite theroot.com, die von dem afroamerikanischen Intellektuellen Henry Louis Gates, Jr., betrieben wird, wurden in der Nacht zum Mittwoch schon einmal die fünf wichtigsten Verhaltensregeln bekanntgegeben, die in Zukunft für schwarze Mitbürger gelten - «no we can't, black folks».

«1. Jetzt bloß keine negro spirituals singen! Und vor allem: keine Zitate von Dr. King bringen.

2. Verkneifen Sie sich, auf jeden weißen Mitbürger zuzuspringen, der irgendwie wie ein Redneck aussieht, und ihn mit Häme zu übergießen: 'Tut weh, was? Tut wirrrrrklich verdammt weh, was?'

3. Rufen Sie nicht Ihre weißen Kollegen zusammen, um ihnen eine Einführungsstunde in die 'schwarze Kultur' zu erteilen, bloß weil der Präsident jetzt schwarz ist und Ihr Euch gefälligst mal auf den Hosenboden setzen solltet'!

4. Glauben Sie nicht, dass Sie sich beim Kfz-Amt, auf der Post oder in sonst einer Behörde einfach vordrängeln dürfen, nur weil 'Obama hinter mir steht'.

5. Versprechen Sie nicht, Ihren Erstgeborenen nach Barack Obama zu nennen. Wir sind auf unserem Weg weit gekommen, aber Barack Obama Jackson klingt dennoch nicht halb so gut, wie Sie jetzt vielleicht denken.»

Aber nicht nur «die Schwarzen» müssen sich umstellen, auch für «die Weißen» bricht eine neue Zeit. Für sie haben die Redakteure von theroot.com ebenfalls fünf Verhaltensregeln zusammengestellt: «no we can't, white folks».

«1. Sehen Sie davon ab, allen Ihren schwarzen Freunden persönlich zu gratulieren. 'Die Schwarzen' sind keine Football-Mannschaft, und Obama hat nicht den Super Bowl gewonnen.

2. Sparen Sie sich die Bekundung, dass Sie 'niemals gehofft hätten, diesen Tag erleben zu dürfen'. (Wieso sollten ausgerechnet Sie das nicht gehofft haben?)

3. Unterlassen Sie es, sofort die Straßenseite zu wechseln, sobald sich auf diese Weise die Gelegenheit ergibt, neben einem Schwarzen zu gehen. Präsident Obama freut sich, dass Sie die Überwindung der Rassentrennung befürworten; aber auch in seiner Amtszeit wird die Verletzung von Straßenverkehrsregeln nicht toleriert.

4. Sparen Sie sich jedes Namedropping mit 'Dr. King'. Wenn Sie unbedingt einen Kommentar dazu abgeben wollen, dass dies eine historische Stunde für die Bürgerrechtsbewegung ist, dann wählen Sie dazu eine Galionsfigur, die wenigstens ein bisschen unbekannter ist als King.

5. Sprechen Sie nicht von 'weißen Leuten', als würden Sie selber nicht dazugehören. Anders als es gelegentlich dargestellt wurde, wird man durch das Wählen von Obama nicht automatisch zu einem unserer Brüder. Wir bedauern, wenn es in dieser Hinsicht widersprüchliche Informationen gegeben haben sollte.»

Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der «Berliner Zeitung.