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US-Wahlen 2008

Auswege aus dem Desaster gesucht: 

Die Wirtschaftskrise wartet schon auf Obama

05. Nov 2008 13:01
Die Immobilienkrise in den USA war der Auslöser der weltweiten Finanzmisere
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Auf den künftigen US-Präsidenten kommen große wirtschaftspolitische Herausforderungen zu. Von Bush übernimmt er einen enormen Schuldenberg, die Finanzkrise tobt und treibt die Wirtschaft in die Rezession.

Ein gigantisches Haushaltsdefizit, Staatsschulden auf Rekordniveau, die Arbeitslosigkeit auf dem höchsten Stand seit sieben Jahren, dazu Millionen Menschen wegen der geplatzten Immobilienblase vor dem Ruin – auf den gewählten US-Präsidenten Barack Obama warten enorme wirtschaftspolitische Herausforderungen.

Finanzkrise

Die Finanzkrise hat zu schweren Verwerfungen auf dem US-Bankenmarkt geführt. So ging die traditionsreiche Investmentbank Lehman Brothers pleite, die beiden Hausfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae wurden wegen drohender Insolvenz verstaatlicht. Obamas Erfolg hängt auch davon ab, inwieweit das von seinem Vorgänger George W. Bush initiierte 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket für die angeschlagenen Banken tatsächlich greift.

Große Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang auch dem künftigen Finanzminister zu, für den der legendäre Investor Warren Buffet, aber auch Timothy F. Geithner, Präsident der New Yorker Fed, und Sheila Bair, Chefin des Einlagensicherungsfonds FDIC gehandelt werden.

Immobilienkrise

Jahrelang vergaben US-Banken Hypothekenkredite an private Bauherren mit geringer Kreditwürdigkeit. Nicht wenige Häuser wurden ohne einen einzigen Cent Eigenkapital finanziert – ein System, das funktionierte, solange die Zinsen niedrig waren und die Immobilienpreise stetig stiegen. Doch dann sanken die Hauspreise, die Zinsen zogen an. Vielen Immobilienbesitzer konnten ihre Raten nicht mehr zahlen, die Hypotheken platzten.

Von Juli bis September verloren jeden Tag mehr als 2700 Amerikaner ihre Häuser. Das waren mehr als doppelt so viele Zwangsversteigerungen wie im Vorjahr, was zeigt, dass die Krise bei weitem noch nicht überwunden ist. Obama schlug im Wahlkampf unter anderem einen Stopp von Zwangsversteigerungen von Privathäusern für 90 Tage vor, um den Hausbesitzern Luft zu verschaffen. Außerdem regte er einen Fonds für Opfer von Hypothekenbetrug und Steuererleichterungen für überschuldete Hausbesitzer an.

Arbeitslosigkeit

Ende September stieg die Arbeitslosigkeit in USA auf den höchsten Stand seit sieben Jahren. Den neunten Monat in Folge wurden Arbeitsplätze abgebaut, wobei der gemeldete Verlust von 159.000 Stellen den höchsten monatlichen Rückgang seit über fünf Jahren markierte. Aktuell liegt die Arbeitslosenrate bei 6,1 Prozent, Experten halten einen Anstieg im kommenden Jahr auf 8 Prozent für möglich.

Obama stellte Unternehmen Steuererleichterungen in Aussicht, wenn sie neue Arbeitsplätze schaffen. In der Schlussphase des Wahlkampfs konzentrierte er sich bei der Arbeitsmarktpolitik ganz auf einen Rettungsplan für die finanziell bedrängte amerikanische Mittelschicht.

Haushaltsdefizit

Das Haushaltsdefizit stieg im abgelaufenen Fiskaljahr 2008 (30. September) auf den Rekordwert von 454,8 Milliarden Dollar. Damit lag es mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr, als das Haushaltsloch 161,5 Milliarden Dollar betrug. Obama fordert angesichts des Schuldenbergs einen Kurswechsel. Die Wirtschaft müsse wegen der strauchelnden US-Konjunktur zwar weiter stimuliert werden. Notwendig seien aber auch längerfristige Initiativen zur Förderung erneuerbarer Energien und Maßnahmen zur Deckelung der Ausgaben im Gesundheitswesen.

Für das neue Jahr erwarten Experten wegen des milliardenschweren Rettungspakets für die Finanzbranche ein noch weit höheres Haushaltsdefizit als 2008. Das lässt dem neuen Präsidenten nur geringe Spielräume.

Leistungsbilanzdefizit

Das amerikanische Leistungsbilanzdefizit stieg im zweiten Quartal auf den zweithöchsten Stand in der Geschichte. Das Minus betrug 218,4 Milliarden Dollar. Das ist ein Anstieg von 2,4 Prozent im Vergleich zu den ersten drei Monaten dieses Jahres. In der Leistungsbilanz werden internationale Güterströme ebenso verbucht wie Übertragungen zwischen In- und Ausland. Eine negative Leistungsbilanz bedeutet, dass das Land mehr importiert, als es exportiert. Finanziert wird das Defizit durch Nettokapitalzuflüsse aus dem Rest der Welt, was die USA zum größten Nettoschuldnerland der Welt macht.

Allerdings könnte sich die Lage schon im dritten Quartal 2008 etwas entspannen – auch ohne Obamas Zutun. Zuletzt hatten nämlich vor allem die hohen Preise für Ölimporte das Defizit angeheizt. Mittlerweile haben die Ölpreise jedoch deutlich nachgegeben.

Konjunktur

Die US-Wirtschaft ist im dritten Quartal um 0,3 Prozent geschrumpft. Das ist der schlechteste Wert seit dem dritten Vierteljahr 2001. Bei den Verbraucherausgaben gab es mit einem Minus von 3,1 Prozent sogar den stärksten Rückgang seit 1980. Viele Ökonomen erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt auch in den letzten drei Monaten 2008 rückläufig sein wird, womit die klassische Definition einer Rezession – zwei Quartale mit einer schrumpfenden Wirtschaft in Folge – erfüllt wäre. (Stephan Köhnlein, AP)

 
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