05.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Viele Amerikaner werden sich diesen Wahltag noch lange erinnern
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Dimension dieser Wahl ist für Europäer kaum zu erfassen, meint Holger Schmale . Der Sieg Obamas sei das Ende einer über 200 Jahre dauernden Unterdrückung.
Eine alte Journalistenregel sagt: Der Verlierer ist die interessantere Geschichte. Heute Abend stimmt das gewiss nicht. John McCain hat gerade seine Niederlage eingestanden, mit einer wirklich ehrenwerten Rede vor seinen Anhängern im Park des Biltmore Hotels von Phoenix.
Aber was ist das im Vergleich zu der begeisterten Menge in Chicago, die Obama feiert den ersten schwarzen Präsidenten in der Geschichte der USA! Schon die Fernsehbilder sind ergreifend, wenn man einen hartgesottenen Mann wie den Bürgerrechtler Jesse Jackson in Tränen aufgelöst sieht.
Es ist ein historischer Tag für die USA, dessen Dimension wir Europäer kaum erfassen können. Heute sind über 200 Jahre Unterdrückung der einst als Sklaven ins Land geholten Schwarzen zu Ende gegangen weil auch viele Weiße gefunden haben: Barack Obama ist der bessere Präsident. Er hat dies geschafft, weil er sich eben nicht als Kandidat der Minderheit präsentiert hat, sondern als Amerikaner, als US-Bürger, der das Interesse des Landes im Blick hat. Dass er dies mit einem eigentlich linken Programm geschafft hat, ist bemerkenswert.
Es ist einer dieser Tage, von denen zumindest fast jeder Amerikaner noch in Jahren wissen wird, wo er war, als um elf Uhr abends Ostküstenzeit Barack Obama zum Wahlsieger erklärt worden ist. Ich werde das auch wissen: ein paar tausend Kilometer weiter westlich, beim Verlierer, in Phoenix, Arizona. Ich bin froh, dass er verloren hat.
Holger Schmale leitet das Bundesbüro der «Berliner Zeitung». Er berichtet derzeit täglich online aus den USA.