Wofür stehen die beiden US-Kandidaten?: 

netzeitung.deMcCains und Obamas politische Positionen

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John McCain und Barack Obama stehen für eine sehr unterschiedliche Politik. (Foto: dpa/nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe John McCain und Barack Obama stehen für eine sehr unterschiedliche Politik.
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Welche politischen Positionen vertreten Obama und McCain? Für welche Außenpolitik stehen die beiden Präsidentschaftskandidaten? Wie wollen sie die Finanzkrise meistern. Die Netzeitung bietet einen Überblick.

Die beiden Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain, haben naturgemäß unterschiedliche politische Auffassungen. Allerdings sind sie sich in vielen Positionen näher, als sie im Wahlkampf zugeben. Die wichtigsten Wahlkampfthemen:

WIRTSCHAFT
Die Finanzkrise hat keiner der Kandidaten vorausgesehen. Obama beschuldigt seinen Rivalen McCain, allein den Marktkräften vertrauen zu wollen. Nun sei er schmerzlich eines Besseren belehrt worden: Ohne staatliche Hilfe werde das US-Finanzsystem wohl zusammenbrechen, die Wirtschaft in eine Rezession stürzen.

McCain musste tatsächlich entgegen seinen Überzeugungen eine historisch einmalige Staatsintervention unterstützen. Allerdings hatte er schon vor Jahren eine strengere Kontrolle der maroden Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac gefordert - was am Widerstand der Demokraten scheiterte.

Der afro-amerikanische Senator fordert nun mehr Regulierung und Kontrolle der Finanzwelt, sein Kontrahent McCain hält sich eher bedeckt. Obama will ein Sofort-Konjunkturpaket von etwa 50 Milliarden Dollar.

IRAK
Obama hat den Irakkrieg von Anfang an abgelehnt. Zu Beginn seines Wahlkampfes versprach der Senator in Illinois, dass er als Präsident binnen 16 Monaten alle US-Truppen aus dem Land abzuziehen. Inzwischen ist er davon abgerückt und nennt auch selbst keinen festen Rückzugstermin mehr.

McCain ist ein vehementer Befürworter des Irakkrieges. Er ist der Ansicht, dass sich die Abzugspläne nach den Gegebenheiten vor Ort und nach Absprache mit den richten müssten. McCain glaubt an einen Sieg im Irak. Er kritisierte früh die Strategie Bushs im Irak und forderte eine Verstärkung der US-Truppen.

IRAN
Obama und McCain wollen eine Nuklearmacht Iran «auf keinen Fall» zulassen. Obama setzt dabei allerdings auf direkte Gesprächen mit der Führung des Irans, wenngleich er sich «nicht zu Propagandazwecken missbrauchen lassen» will.

McCain lehnt einen Dialog ohne Vorbedingungen ab.

AFGHANISTAN
Beide Kandidaten glauben, dass die Freiheit der westlichen Welt am Hindukusch verteidigt wird - und wollen eine Verstärkung der US-Truppen in Afghanistan . Dabei erwarten sie die tatkräftige Unterstützung ihrer europäischen Verbündeten.

Obama will mindestens 10.000 Soldaten, zum Teil aus dem Irak, zusätzlich nach Afghanistan schicken. McCain sprach zuletzt von 15.000 Soldaten, meinte aber sowohl Streitkräfte der USA als auch der Nato.

TRANSATLANTISCHE BEZIEHUNGEN
Obama und McCain wollen die transatlantischen Beziehungen verbessern und stärken. Beide aber erwarten von den wichtigen Verbündeten wie Deutschland, Frankreich, und Großbritannien mehr Engagement in der Welt, höhere Verteidigungsausgaben sowie vor allem ein stärkeres militärisches Engagement in Afghanistan.

KLIMAWANDEL
Obama ist für den Emissionshandel, mit dem der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase in den USA bis zum Jahr 2050 auf 80 Prozent des Niveaus von 1990 gedrückt werden soll. Der afro-amerikanische Senator tritt für international bindende Ziele zur Verringerung der Emissionen ein, auch unter Einbeziehung Chinas, Indiens und Russlands. Ob er das Kyoto-Protokoll unterzeichnen, ist allerdings noch offen. Geäußert hat er sich noch nicht dazu.

McCain ist wie auch George W. Bush strikt gegen das Klimaschutzabkommen. Allerdings denkt auch er über ein System zum Handel mit Emissionsrechten nach.

STEUERN
Obama will nur einen Teil der von Präsident George W. Bush eingeführten Steuererleichterungen beibehalten. Verheiratete Paare mit einem Einkommen von mehr als 250.000 Dollar jährlich sollen mehr Steuern zahlen, während für Familien mit geringerem Einkommen die Steuerlast verringert werden soll.

McCain will die Steuersenkungen der Bush-Regierung, die auch den Superreichen und Großkonzernen zugute kamen, dauerhaft verankern. Zudem setzt er sich für weitere Steuerentlastungen des Mittelstandes ein. Er befürwortet einen schlankeren Staat und eine Begrenzung der Staatsausgaben. Im ersten Jahr will er die Staatsausgaben einfrieren, nur der Verteidigungsetat soll erhöht werden. McCain beschuldigte zum Ende des Wahlkampfs Obama wegen seiner Steuerpläne «sozialistischer» Ambitionen.

GESUNDHEIT
Rund 47 der über 300 Millionen Amerikaner sind ohne Krankenversicherung. Obama möchte mit staatlicher Hilfe jedem Bürger den Zugang zur Krankenversicherung ermöglichen. Für Kinder hat er eine Versicherungspflicht vorgesehen.

McCain will das teure US- Gesundheitswesen billiger machen und so die Preise privater Krankenversicherungen drücken. Steuererleichterungen sollen Krankenversicherungen erschwinglich machen. Der Republikaner strebt darüber hinaus an, Pharma- und Versicherungskonzerne einer schärferen staatlichen Prüfung zu unterziehen.

ABTREIBUNG
Obama steht zu der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, wonach eine Abtreibung in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft straffrei ist und zur Privatsphäre der Frau zählt.

McCain hat sich grundsätzlich gegen ein Recht auf Abtreibung ausgesprochen, gilt in dieser Frage aber nicht so entschieden, wie er gegenüber der religiös-konservativen Basis vorgibt.

ENERGIE
Obama will die Profite der Ölkonzerne stärker besteuern, alternative Energiequellen staatlich fördern. Er schließt den Ausbau von Atomkraftwerken nicht aus. Seine Opposition gegen Ölförderungen vor der US-Küste hat er widerrufen.

McCain plädiert entschieden für Ölförderung vor der Küste, was er früher allerdings abgelehnt hatte. McCain tritt für den massiven Ausbau der Kernenergie ein: Bis 2030 will er 45 neue Atomkraftwerke errichten. Er befürwortet auch alternative Systeme wie Windenergie- und Solaranlagen.

TODESSTRAFE
Beide Kandidaten plädieren dafür.

WAFFENGESETZE
Viele Amerikaner sind strikt gegen eine Einschränkung des seit mehr als 200 Jahren durch die Verfassung garantierten «Rechts des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen». Diese Ansicht vertritt auch John McCain.

Obama hingegen hat als Senator in Illinois ein Verbot des freien Erwerbs von halbautomatischen Schusswaffen unterstützt. Er ist zudem für strengere Kontrollen und striktere Regelungen in den Bundesstaaten.

GUANTÁNAMO
Beide Kandidaten wollen das US-Gefangenenlager für «feindliche Kombattanten» schließen. (dpa/nz)