| Araber sind Großspender für Bush17. Feb 2004 16:55, ergänzt 16:59Der US-Präsident hat in großem Umfang an Unterstützung arabischstämmiger Einwanderer verloren. Zugleich gehören viele Araber zu den besten Spendensammlern für seine Wahlkampagne.
«Als Moslem fand ich es wundervoll, dass Saddam Hussein gestürzt wurde. Die anderen islamischen Staaten taten nichts. Um ehrlich zu sein, ich schrieb in einem Brief an den Präsidenten, dass ich seine Errungenschaften bewundere», sagte Malik Hasan der «New York Times». Die Familie des gebürtigen Pakistani in Denver ist begeistert von der Bush-Regierung, obwohl Hasans Sohn, ein Amerikaner, wegen seines arabischen Aussehens schon einmal an einem Flughafen festgenommen und verhört wurde. Hasan verkörpert beide Extreme einer komplexen Beziehung. US-Präsident George W. Bushs Verhältnis zu Einwanderern aus dem Nahen und dem Mittleren Osten hat sich zugleich verbessert und verschlechtert, stellt die «NYT» fest: Die einen sind von der Nahost-Politik und vom Irakfeldzug der US-Regierung begeistert, die anderen fühlen sich durch den Patriot Act, das martialische Gesetz zur Terrorbekämpfung, unterdrückt. Im Präsidentschaftswahlkampf erhält Bush ungewöhnlich viel Geld arabischstämmiger Spender wie Hasan, der den Republikanern bereits mehrere Hunderttausend Dollar überwiesen hat, doch ihre Zahl ist gesunken.
An Zustimmung verlorenUmfragen belegen, dass Bush drastisch an Zustimmung verloren hat in der arabischen Gemeinde. 83 Prozent der Einwanderer aus dem Nahen und Mittleren Osten schätzten seine Politik im Oktober 2001, heute sind es nur noch 38 Prozent, wie das Arab American Institute im Januar ermittelte. Die meisten Befragten gaben die Haltung der Bush-Regierung im Palästinenserkonflikt und zur israelischen Regierung, die Zwangsregistrierung Tausender Araber und Moslems bei der Einwanderungsbehörde sowie die Antiterrorgesetze als Grund für den Sinneswandel an, so die «NYT». Die Republikanische Partei hatte vor den Terroranschlägen von 2001 traditionell auf die Unterstützung von Einwanderern der ersten und zweiten Generation zählen können, die es als kleine und mittelständische Geschäftsleute in den USA zu bescheidenem Wohlstand gebracht haben. Das hatte überwiegend wirtschaftliche Gründe. Weltanschaulich mag bei manchen auch eine Rolle gespielt haben, dass laut gängigem Vorurteil Juden in den USA eher den Demokraten anhängen.
Vorwurf von rechtsBush wird jedoch seit einiger Zeit von rechtskonservativen Kreisen, die seiner Partei nahe stehen oder angehören, eine geradezu zionistische Haltung im Verhältnis zu Israel vorgeworfen. Er befürwortet zwar unter bestimmten Voraussetzungen die Installation eines unabhängigen Palästinenserstaats, hat sich aber ebenso deutlich von Palästinenserpräsident Arafat distanziert, wie er den israelischen Premier Scharon unterstützt. So ist die Zahl der arabischen Spender für seine aktuelle Kampagne gegenüber 2000 signifikant gesunken. Zugleich hat ihm der Krieg gegen Irak Umfragen zufolge jedoch neue Unterstützer aus dieser Gemeinde eingebracht, die mehr Geld für seinen Wahlkampf aufbringen, als aus dieser Richtung bislang geflossen war. Genaue Zahlen gibt es nicht.
Zur Politik gefundenBushs Kampagne ernennt besonders engagierte Spendenwerber zu «Pioneers», wenn sie mehr als 100.000 Dollar gesammelt haben, und zu «Rangers», wenn die Summe der Spenden 200.000 Dollar übertrifft. Die «Times» zitiert mehrere Geschäftsleute in diesen Rängen, unter anderem aus Iran, aus Libanon und Palästina stammend, mit glühendem Lob für Bushs Entschlossenheit, dem Nahen Osten die Freiheit zu bringen. Besonders wohlhabende und einflussreiche Männer scheinen über den islamistischen Terror und den Irak-Feldzug zum politischen Engagement für den US-Präsidenten gefunden zu haben. Das hat zum Teil auch geschäftliche Gründe. Von einer wirtschaftsfreundlichen Regierung, die im Nahen Osten Demokratie nach westlichem Muster und damit Investitionssicherheit installieren will, versprechen sich einige der Spender auch neue Märkte. Viele hatten ihre Heimatländer verlassen, weil sie unter den Macht- und Korruptionsverhältnissen dort wirtschaftlich und politisch ohne Chance waren. Bush dankt den «Pioneers» und «Rangers» ihr Engagement mit Einladungen ins Weiße Haus oder zu Treffen im privaten Rahmen auf seiner Ranch in Texas sowie durch Vermittlung von Kontakten und Zugang zu hochrangigen Vetretern der Regierung. (nz)
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