Russland verweigert Blüm, Neudeck und Wallraff Reise nach Tschetschenien
08.01.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Ankunft am Dienstagnachmittag sofort von der Geheimpolizei festgehalten worden. Beamte in Uniform und Zivil hätten in rüder und aggressiver Weise verlangt, sie sollten sofort mit derselben Lufthansa-Maschine nach Deutschland zurückfliegen, obwohl sie gültige Einreisevisa gehabt hätten. Blüm sei sogar ein Gang zur Toilette verwehrt worden.
Die drei gingen schließlich wieder an Bord der Lufthansa-Maschine, die mit über einer Stunde Verspätung zum Rückflug nach Deutschland startete.
Für Mittwochvormittag hatten Wallraff, Blüm und Neudeck in Moskau ein offiziell vereinbartes Gespräch mit dem von der russischen Regierung als Verwaltungschef von Tschetschenien eingesetzten Ahmad Kadyrow geplant, so dass die Zurückweisung eine Überraschung gewesen sei. Sie sei offenbar von höchster Stelle angeordnet worden, meint Wallraff.
Laut Wallraff wollen er und die beiden anderen Männer künftig jedes Jahr mehrmals auf eigene Initiative und Kosten an Orte reisen, wo Menschenrechte verletzt werden, um die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen. Die Tschetschenien-Mission hätte der Auftakt dazu sein sollen.
Mit der Zurückweisung hätten die Russen nur erreicht, dass die Gruppe anderweitige Reisepläne vorerst zurückstellen und sich erst recht um Tschetschenien bemühen werde, in dessen Hauptstadt Grosny der Willkür gegen die Zivilbevölkerung Tür und Tor geöffnet seien. Menschen würden verschleppt und ermordet, und es gebe keine Zeugen mehr dafür. (nz)
