netzeitung.deRussland verweigert Blüm, Neudeck und Wallraff Reise nach Tschetschenien

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Drei prominente Menschenrechts-Aktivisten aus Deutschland sind trotz gültiger Visa an der Einreise nach Russland gehindert worden. Sie hatten nach Tschetschenien fahren wollen.

Der Journalist Günter Wallraff, der frühere Bundesminister Norbert Blüm (CDU) und der ehemalige Chef der Hilfsorganisation Cap Anamur, Rupert Neudeck, sind bei dem Versuch gescheitert, sich gemeinsam am Ort über die Menschenrechtssituation in Tschetschenien zu informieren. Die russischen Behörden haben die drei Männer auf einem Moskauer Flughafen an der Einreise gehindert.
Einsatz der Geheimpolizei
Wallraff sagte am Mittwoch in Köln der Nachrichtenagentur AP, sie seien nach der
Ankunft am Dienstagnachmittag sofort von der Geheimpolizei festgehalten worden. Beamte in Uniform und Zivil hätten in rüder und aggressiver Weise verlangt, sie sollten sofort mit derselben Lufthansa-Maschine nach Deutschland zurückfliegen, obwohl sie gültige Einreisevisa gehabt hätten. Blüm sei sogar ein Gang zur Toilette verwehrt worden.

Die drei gingen schließlich wieder an Bord der Lufthansa-Maschine, die mit über einer Stunde Verspätung zum Rückflug nach Deutschland startete.

Für Mittwochvormittag hatten Wallraff, Blüm und Neudeck in Moskau ein offiziell vereinbartes Gespräch mit dem von der russischen Regierung als Verwaltungschef von Tschetschenien eingesetzten Ahmad Kadyrow geplant, so dass die Zurückweisung eine Überraschung gewesen sei. Sie sei offenbar von höchster Stelle angeordnet worden, meint Wallraff.

«Jetzt erst recht»
Die drei Männer wollten über Inguschetien nach Tschetschenien reisen, das nach jahrelangem Krieg russischer Truppen gegen separatistische Rebellen weitgehend zerstört ist.

Laut Wallraff wollen er und die beiden anderen Männer künftig jedes Jahr mehrmals auf eigene Initiative und Kosten an Orte reisen, wo Menschenrechte verletzt werden, um die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen. Die Tschetschenien-Mission hätte der Auftakt dazu sein sollen.

Mit der Zurückweisung hätten die Russen nur erreicht, dass die Gruppe anderweitige Reisepläne vorerst zurückstellen und sich erst recht um Tschetschenien bemühen werde, in dessen Hauptstadt Grosny der Willkür gegen die Zivilbevölkerung Tür und Tor geöffnet seien. Menschen würden verschleppt und ermordet, und es gebe keine Zeugen mehr dafür. (nz)