netzeitung.deBehle fordert Tilgung der Scharte

 Herausgeber: netzeitung.de

Lupe Behle fordert Tilgung der Scharte

Vor der Nordische Ski-WM nährten besonders die Langläufer die Hoffnungen auf Medaillen. Doch gerade in der Paradedisziplin gab es ein Fiasko.

Die deutschen Ski-Langläufer haben bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften die nächste Enttäuschung erlebt. «Das war das schlechteste Ergebnis im gesamten Jahr. Wir hatten ganz andere Erwartungen», sagte ein verärgerter Bundestrainer Jochen Behle nach der Verfolgung über 30 Kilometer der Herren, die die Deutschen vor der WM fast ausschließlich dominiert hatten.

Mit großen, den größten Erwartungen bei der Auswahl des Deutschen Skiverbandes (DSV) überhaupt, waren die Langläufer angereist. Behle wollte im Vorfeld der WM nicht über eine bestimmte Anzahl an Medaillen reden, aber aufgrund der Vorleistungen, besonders der der Männer, konnte und wollte Behle «nicht um Platz sechs» laufen. Nach dem zweiten medaillenlosen Männer-Wettbewerb hat sich die Enttäuschung weiter potenziert. «Die Ergebnisse im Weltcup sind Vergangenheit, die WM ist Gegenwart», sagt Behle.

Falsch gewachst
Der Trainer gibt dann auch zu, dass die Mannschaft die Form von «Mitte Dezember» nicht aufweist. «Da müssen wir und die Frage stellen, warum das so ist.» Besonders Axel Teichmann und Rene Sommerfeldt als 30. und 28. sorgten am Sonntag für Sorgenfalten beim Bundestrainer. Bei beiden waren die Ski falsch gewachst, so dass sie besonders bei Anstiegen im klassischen Stil wegrutschten. Doch Behle wollte nicht nur die Skier für das Debakel verantwortlich machen. «Bei dem Rückstand lag das nicht nur an den Skiern.
Das Team war nicht in bester Verfassung. Axel und Rene hatten sich am Vormittag schlecht gefühlt.»

Jens Filbrich, der mit 1:08,0 Minuten Rückstand auf Sieger Vincent aus Frankreich als 14. als bester Deutscher ins Ziel kam, hatte bereits auf den ersten 15 Kilometern im klassischen Still massive Probleme. «Da war ich schon voll am Limit und hatte frühzeitig Krämpfe. Ich hätte vorher gedacht, dass wir eine Medaille gewinnen können, aber beim Skating konnten wir nicht mehr eingreifen.»

Noch vor dem Wechsel vom klassischen zum freien Stil nach der Hälfte der Strecke hatte sich Teichmann von jeglichen Medaillenträumen verabschieden müssen. Dem im Weltcup Führenden scheint die eigentlich auskurierte Grippe immer noch zu schaffen machen.

Bei Teichmann geht gar nichts
3:28,3 Minuten betrug der Rückstand des Lobensteiners auf den Sieger Vincent Vittoz. Der Franzose hatte die Dopingaffäre kurz vor der WM, bei der seine A-Probe positiv, die B-Probe allerdings negativ war, besser verarbeit als Teichmann seinen Virus. «Bei mir lief von Kilometer eins bis 30 gar nichts», so Teichmann.« Und auch Sommerfeldt hätte »nie zu träumen gewagt, dass es bei der WM so bergab geht.«

Die erneut enttäuschenden Vorstellungen seiner Schützlinge haben Behle vorübergehend der kreativen Ideen beraubt. Der Willinger muss erst einmal die Ergebnisse verdauen und eine Nacht schlafen, bevor er sein Team auf den Sprint am Dienstag und vor allem auf die Staffel am Donnerstag vorbereiten kann. »Mal sehen, was mir da einfällt. Auf alle Fälle müssen wir die Scharte der Verfolgung bei der Staffel wettmachen.« Bis dahin will der Coach die »Psyche der Sportler beobachten.«

Für die Läufer tritt nach dem Verfolgungsrennen und dem Lauf über 15 Kilometer vom letzten Donnerstag damit eine Situation ein, die sie eigentlich vermeiden wollten. »Ich dachte wir sind cooler und können besser mit dem Druck umgehen«, so Sommerfeld. Teichmann hatte vor dem Sonntag überhaupt nur jeden morgen Druck verspürt. Dann bin auf Toilette gegangen und alles war vorbei.» Nun aber bleibt beim 25-Jährigen zumindest bis zum Staffelrennen am Donnerstag der Druck auch nach der Notdurft erhalten.