Watschn für die CSU: 

netzeitung.deFast zehn Prozentpunkte Verlust für CSU

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Ratlosigkeit bei den CSU-Anhängern. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ratlosigkeit bei den CSU-Anhängern.
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Bei der CSU herrscht Ratlosigkeit: Die bayerische Unionspartei hat 9,3 Prozentpunkte Stimmenanteile weniger als bei der Wahl 2002. Erklären kann sich das in München kaum einer.

Enttäuschung und blankes Entsetzen herrscht bei der CSU, als die ersten Hochrechnungen über den Bildschirm flimmern. Die Parteioberen lassen sich auf der Wahlparty im High-Tech-Konferenzzentrum der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung in München zunächst gar nicht blicken. Fast eine halbe Stunde lang verfolgt Markus Söder hinter verschlossenen Türen die düsteren Wahlergebnisse für die Union. Erst nach eineinhalb Stunden wagte sich der CSU-Generalsekretär Markus Söder an die Basis und verkündete: «Rot-Grün ist abgewählt!» Der Beifall blieb matt. Parteichef Edmund Stoiber und Innenminister Günther Beckstein sind in der schweren Stunde ohnehin in Berlin.

Erst als die Bayern-Hochrechnung mit den gesonderten CSU-Werten kommt, hellt sich die Stimmung vorübergehend auf. «52 Prozent sind ein Riesenergebnis für die CSU», verkündet Staatskanzleichef Erwin Huber tapfer, obwohl es ein Minus von sechs Punkten gegenüber 2002 bedeutet. Bald aber rutscht sogar dieser Wert unter die magische 50-Prozent-Marke. «Damit wäre ein Symbolwert der CSU geknackt», räumt Landtagspräsident Alois Glück unumwunden ein. Gegen 23.45 Uhr lautete das vorläufige Ergebnis 49,3 Prozent für die CSU.

Keine Erklärungen
Die wenigen CSU-Spitzenpolitiker, die sich unter das handverlesene Partypublikum mischen, ringen mühsam um Erklärungen: Wie kann es nach dem Höhenflug vom Frühjahr und den soliden Prognosen der vergangenen Wochen einen solchen Absturz geben? «Was Meinungsumfragen wert sind, hat sich heute jedenfalls klar gezeigt», sagt der bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu.

Ansonsten herrscht Ratlosigkeit. Die Zweitstimmenkampagne der FDP habe die Union ebenso Stimmen gekostet wie der «Verleumdungswahlkampf» des Kanzlers, rechnet Söder vor. Und eigene Fehler? Nur der frühere Wissenschaftsminister Hans Zehetmair, der als Stiftungspräsident nicht mehr in der ersten Reihe der aktuellen Politik steht, nennt auch die angekündigte Mehrwertsteuer. Der «Übermut», ein Steuerplus von zwei Prozent als Wahlgeschenk auszugeben, habe sich negativ bemerkbar gemacht. «Man kann nicht sieben Jahre lang sagen, wir sind die Steuersenkungspartei, und dann den Wahlkampf führen mit der erfrischenden Botschaft, wir erhöhen die Steuern«, so ein führender CSU-Politiker.
Merkel ohne Schuld
Die Schwesterpartei CDU, die sonst gerne als Blitzableiter herhalten muss, bleibt zumindest vorerst verschont. Am Wahlkampf von Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel habe es jedenfalls nicht gelegen, versichern die CSU-Granden unisono. Wie es jetzt allerdings weitergehen soll, wissen die Unionisten in München so wenig wie die in Berlin. Der eine oder andere bringt statt der ungeliebten großen Koalition auch ein Bündnis mit Liberalen und Grünen ins Gespräch. In jedem Fall sei eine sorgfältige Analyse nötig, mahnt Glück.

Das soll offenbar auch für die politische Zukunft Stoibers gelten. Der CSU-Chef hatte Informationen zufolge mit Merkel bereits am Freitag festgezurrt, dass er trotz seines monatelangen Zögerns als eine Art Reformminister für Wirtschaft, Technologie und Verkehr nach Berlin wechselt. Schon am Montag sollte das so verkündet werden. Am Wahlabend gibt Huber, Stoibers rechte Hand, allerdings eine andere Parole aus: «Das müssen wir gründlich beraten. Es gibt keinen Anlass, das jetzt übers Knie zu brechen.» (nz)