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Merkel ruft Erinnerung an Thatcher wach
15. Sep 2005 11:08

Margaret Thatcher
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Foto: dpa
Wenn Angela Merkel Bundeskanzlerin wird, steht nach Margaret Thatcher erstmals wieder eine Frau an der Spitze eines großen westlichen Industrielandes. Die «Eiserne Lady» regierte Großbritannien elf Jahre lang. Ein Portrait.
 
Von Edgar Denter

Eine Frau an der Spitze eines großen westlichen Industrielandes gab es zuletzt in Großbritannien. Und allein deshalb wird Angela Merkel (CDU) als Kanzlerkandidatin der Union vielfach mit der «Eisernen Lady», der britischen Regierungschefin Margret Thatcher, verglichen.

Dabei war es ursprünglich gar nicht freundlich gemeint, als sowjetische Journalisten 1976 die damalige Konservativen-Chefin so titulierten.

Anti-Kommunismus

Sie spotteten damit über den kompromisslosen Anti-Kommunismus der Oppositionsführerin in London. Als die Premierministerin später ihr Land gründlich umkrempelte, nahm sie das Etikett gern als Ehrentitel an. In den elf Jahren ihrer Amtszeit - 1979 bis 1990 - bewies sie oft genug die Härte, die der Name erwarten ließ.

In der Wirtschaftspolitik setzte sich der unnachgiebige Stil der rechtskonservativen Krämertochter zuerst durch. Dabei brach sie zum einen die lähmende Kraft der Gewerkschaften, an der ihre Vorgänger sich vergeblich die Zähne ausgebissen hatten. Zum anderen hielt sie auch entgegen wohlgemeinten Ratschlägen an einer Reformpolitik fest, die den Wählern mehr Schweiß und Opfer abverlangte, ehe sich Erfolge einstellten. Schon hier zeigte sich das zur Bewertung der Thatcher-Jahre häufig zitierte Motto «Mit dieser Dame gibt es keine Kehrtwende». Sie blieb eisern bei ihrem Kurs.

Falkland-Krieg

Der führte sie in den glanzvoll gewonnen Krieg um die von Argentinien besetzten britischen Falkland-Inseln. Und er prägte auch ihre Auseinandersetzung mit den Bombenlegern aus Nordirland, die Londons Herrschaft mit Gewalt von der irischen Insel fegen wollten. Die Eiserne Lady gab nicht nach.

Außenpolitisch fühlte sie sich besonders eng mit US-Präsident Ronald Reagan verbunden, wesentlich weniger eng mit ihren Kollegen in Europa. «Ich will mein Geld zurück», war ein geflügeltes Wort aus Brüsseler Verhandlungen, bei denen sie den heute noch umstrittenen Beitragsrabatt für die britische EU-Mitgliedschaft durchsetzte. «Nein, nein, nein» lautete ein anderer bekannter Europa-Kommentar der Lady mit der Handtasche.

30 Minister

Eiserne Selbstsicherheit trug letztlich zu ihrem Fall bei. Die Premierministerin, die mehr als 30 Minister in ihren Kabinetten «verheizt» hatte, war ihren Parteifreunden und den Wählern zu sehr enteilt. Sie spürte nicht, wie unzufrieden Wähler mit ihrer Politik etwa zur Einführung einer Kopfsteuer waren und wie wenig die Partei noch bereit war, ihrem Diktat zu folgen. Im November 1990 musste sie nach einer Palastrevolution den Vorsitz über die Konservativen und das Regierungsamt abgeben.

In den Augen ihrer Anhänger hat die heutige Baronin von Kesteven ihr Land mit ihren eisernen Qualitäten wieder groß gemacht. In den letzten Jahren sind häufiger Stimmen laut geworden, die die meisten Erfolge eher auf günstige Umstände in Wirtschaft und Politik zurückführten. Die Radikalität, mit der sie Innenpolitik betrieb, hätten der Partei auch geschadet, kann man heute hören. (dpa)




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