netzeitung.deWolffsohn kritisiert Debatte um CDU-Slogan

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Nitzsche-Website mit Slogan (Foto: nz (screenshot)<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Nitzsche-Website mit Slogan
Foto: nz (screenshot)
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Historiker Wolffsohn hat die Debatte um den CDU-Slogan «Arbeit, Familie, Vaterland» als scheinheilig kritisiert. In einem Beitrag für die Netzeitung rät er, der Staat solle sich stattdessen mit «seinem Problem-Himalaja» beschäftigen.

Der Münchner Historiker Michael Wolffsohn hat die Diskussion über das Wahlkampfmotto «Arbeit, Familie, Vaterland» des sächsischen CDU-Bundestags- Abgeordneten Henry Nitzsche scharf kritisiert. «Henry Nitzsche ist ein unbedeutender Hinterbänkler, der vorgeschoben wird, um von den wirklichen Problemen abzulenken und Scheinfronten aufzubauen», schreibt Wolffsohn in einem Beitrag für die Netzeitung.

Zugleich verteidigt der Historiker die Verwendung der Begriffe «Arbeit, Familie, Vaterland». Wolffsohn: «Wenn es regnet und auch die NPD das feststellt, wird aus Regen kein Sonnenschein. Oder wollen wir alten und neuen Nazis das Monopol auf Arbeit, Familie, Vaterland überlassen?»
«Problem-Himalya» abarbeiten
Ungeachtet dessen fordert Wolffsohn ein Ende der Debatte. Er stellt heraus, dass Deutschlands Wirtschaft, Politik und Gesellschaft «seit Jahren gelähmt» seien. Es werde deshalb Zeit, «dass sich dieser Staat mit seinem Problem-Himalaja beschäftigt, statt scheinheilige Scheinschlachten zu führen, zumal viele rot-grüne Politiker mehr als andere zuvor den Begriff 'Patriotismus' seit 1998 inflationieren».

Wolffsohn unterstellt in diesem Zusammenhang der rot-grünen Bundesregierung eine betont auf nationale Interessen ausgerichtete Außenpolitik. «Nie vor Gerhard Schröder und Joschka Fischer hat die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland so knallhart und provokativ die vermeintlich nationalen deutschen Interessen durchgeboxt», schreibt der Historiker.

Heftige Kritik
Der CDU-Politiker Nitzsche war wegen des Slogans heftig in die Kritik geraten. Vor allem der Zentralrat der Juden in Deutschland zeigte sich entsetzt. Der Slogan war nach 1940 vom rechts-autoritären Vichy-Regime in Frankreich benutzt worden, das mit Nazi-Deutschland kollaborierte und sich an der Deportation von Juden in Vernichtungslager beteiligte. Auch die rechtsextreme NPD hatte im Herbst 2004 das Motto «Arbeit, Familie, Vaterland» für ihren Bundesparteitag gewählt.

Für das Web ediert von Dietmar Neuerer