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Der Medien-Kanzler sucht das Duell
28. Jul 2005 15:39

Wahlkampf 2002: TV-Duell zwischen Stoiber (l.) und Schröder
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Foto: dpa
Die TV-Duelle vor der Bundestagswahl 2002 hatten Einfluss auf den Wahlausgang. Das könnte diesmal anders sein, vermuten Meinungsforscher. Gerhard Schröder habe dabei nicht automatisch bessere Chancen.
 
Von Mirjam Mohr, AP

Die erstaunliche Ähnlichkeit der Krawatten der Spitzenkandidaten erregte vor drei Jahren bei den ersten beiden Fernsehduellen vor einer Bundestagswahl große Aufmerksamkeit. Inwieweit sich diese Ähnlichkeit auf das Wahlverhalten der
Zuschauer auswirkte, ist nicht bekannt. Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass die beiden TV-Debatten zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und seinem Herausforderer Edmund Stoiber durchaus eine Wirkung auf das Wählerverhalten hatten - was aber nicht heißt, dass es diesmal genauso sein muss.

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«Unterm Strich kann man sagen, dass die beiden TV-Duelle einen Mobilisierungseffekt hatten und das Wählerverhalten beeinflussten», sagt Markus Klein vom Zentralarchiv für empirische Sozialforschung (ZA). Zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa untersuchte das ZA die Auswirkung dieses vor drei Jahren erstmals in Deutschland eingesetzten Instruments des Wahlkampfs. In 2.000 Haushalten wurden Zuschauer unmittelbar nach den beiden Sendungen befragt, wie sie das Auftreten Schröders und Stoibers bewerteten.

«Dabei zeigte sich zum einen, dass Personen, die mindestens eines der beiden Duelle gesehen hatten, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zur Wahl gingen», erklärt Klein. Wenn die Zuschauer fanden, dass einer der beiden Kandidaten besser abgeschnitten habe, wählten sie zudem mit einer höheren Wahrscheinlichkeit dessen Partei. Klein betont aber, dass es sich hierbei um Wahrscheinlichkeitsaussagen handele, daneben gebe es noch ein ganzes Bündel anderer Einflussfaktoren. Zudem müsse man berücksichtigen, dass die TV-Duelle damals auch einen Neuigkeitseffekt hatten.

Spezifisch, historische Situation

«Es mag sein, dass es diesmal keine so hohe Aufmerksamkeit geben wird, weil TV-Duelle nichts Neues mehr sind», sagt Klein. Zudem habe Schröder vor drei Jahren die Duelle «in einer spezifischen historischen Situation» als Bühne genutzt, um seine Position in der Streitfrage des Irak-Kriegs zu kommunizieren. Damals sei es darum gegangen, kurzfristig neue Positionen zu formulieren, das werde
dieses Mal wohl nicht der Fall sein. «Die Tatsache, dass die TV-Duelle 2002 Auswirkungen auf das Wählerverhalten hatten, heißt deshalb nicht, dass es automatisch auch 2005 so sein wird», betont Klein.

Vor drei Jahren sei der Wahlkampf stark auf Personen fokussiert gewesen, sagt Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner. «Diesmal spielen Personen nicht mehr die entscheidende Rolle.» Deswegen rechne er damit, dass sich der Einfluss der TV-Debatten zwischen Schröder und seiner Herausforderin Angela Merkel relativieren
werde.

NRW: Steinbrück-Bonus nutzte nichts

Güllner verweist auf die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, wo ebenfalls Fernsehduelle zwischen den Spitzenkandidaten von SPD und CDU stattfanden. SPD-Amtsinhaber Peer Steinbrück habe zwar in der Bewertung bei den Zuschauern deutlich gegenüber seinem Herausforderer Jürgen Rüttgers punkten können - das habe der SPD aber nichts genutzt, gewonnen habe dennoch die CDU. «Ich glaube,
dass dieses Muster nun auch bundesweit gilt: Schröder ja, aber SPD nein», sagt Güllner.

Die Tatsache, dass Schröder generell eine bessere Medienpräsenz attestiert wird als Merkel, muss dem SPD-Politiker nach Einschätzung des Medienexperten Jo Groebel nicht unbedingt nutzen. Auch er verweist auf die TV-Duell-Erfahrungen in Nordrhein-Westfalen wie auch in Schleswig-Holstein: «Beide Male haben die Parteien derer gewonnen, die medial schlechter rüberkamen.» Professionelleres Auftreten müsse nicht zwangsläufig gewinnen, «denn weniger Gelecktes werten Zuschauer als ein Zeichen für Authentizität».

Hier gebe es sogar «Anzeichen für eine gewisse Zeitenwende», sagt Groebel: Nicht nur die Politiker würden medial immer professioneller, auch immer mehr Zuschauer wüssten, dass hinter jedem Politiker eine ganze Batterie von Beratern stehe, was sie nicht unbedingt guthießen: «Wenn man merkt, dass etwas zu glatt, zu sehr auf Überzeugung getrimmt ist, dann erzeugt das einen gewissen Widerwillen», glaubt Groebel.




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