28.06.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Hakki Keskin
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Nach 30 Jahren hat der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde seine Mitgliedschaft in der SPD aufgekündigt. Ob Keskin zur linken Wahlalternative WASG wechselt, weiß er noch nicht. Thema: Neuwahl des Bundestags Wiefelspütz rechnet mit Verfassungsklagen gegen Neuwahl Prominenter SPD-Politiker wechselt zur WASG Der Zeitplan zur Neuwahl im Bund Fischer für Fortsetzung von Rot-Grün Linkspartei gezielt von Rechten unterwandert
Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Hakki Keskin, ist nach 30 Jahren Parteimitgliedschaft aus der SPD ausgetreten. «Ich kann mich seit Jahren mit der Politik der SPD nicht mehr identifizieren», sagte der ehemalige Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete am Dienstag.
Ziele und ethische Werte der Sozialdemokraten unter Willy Brandt wie soziale Gerechtigkeit und Solidarität mit Benachteiligten seien auch für Keskin eine «politische Heimat» gewesen. «Die so genannten Reformen der rotgrünen Bundesregierung, vor allem in den Bereichen Steuern, Hartz IV, Gesundheit, Staatsangehörigkeitsrecht und Zuwanderung, zeigten jedoch mehr als deutlich, wie sehr sich die SPD von ihren Grundzielen entfernt hat», betonte Keskin.
Nicht mehr glaubwürdig Ihn habe sehr gestört, dass die SPD kurz vor der Wahl noch die Unternehmenssteuern senken wollte und dann «aus wahltaktischen Gründen» eine Millionärssteuer vorgeschlagen hat. «Das hat nichts mehr mit Glaubwürdigkeit zu tun. Das war zu viel», sagte Keskin.
Über den Eintritt in eine andere politische Organisation habe er noch nicht entschieden. «Die Wahlalternative (Arbeit und Soziale Gerechtigkeit/WASG) wäre eine Möglichkeit», meinte Keskin allerdings.
Reaktionen zum Austritt von MaurerUnterdessen reagieren die ersten SPD-Politiker auf den angekündigten Wechsel des früheren baden-württembergischen Spitzenmannes Ulrich Maurer zur WASG. Der Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer hält Maurers Austritt für den falschen Weg. «Mein Ratschlag für unzufriedene Linke lautet: Eintreten statt austreten», sagte Scheer der «Stuttgarter Zeitung». Es sei einfacher, die Politik der SPD direkt zu beeinflussen als eine neue Partei zu gründen.
Die SPD müsse nun «ein wirtschaftliches und soziales Konzept entwickeln, das breiter angelegt ist als bisher», sagte Scheer. (nz)