29.10.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Palästinenser in einem Flüchtlingslager in Gaza-Stadt
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Im Gazastreifen sei ein dramatischer Anstieg bitterer Armut zu sehen, warnt das UN-Welternährungsprogramm. Dennoch droht Israel damit die Versorgungslieferungen vollständig zu stoppen.
Nach ersten Treibstoffkürzungen hat Israel den rund 1,5 Millionen Palästinensern im Gazastreifen mit einem umfassenden Versorgungsstopp gedroht. Sollte der Raketenbeschuss Israels durch militante Palästinenser weitergehen, dann sollte sich die radikal-islamische Hamas nach Lieferungen aus Ägypten oder anderswo umsehen, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Shlomo Dror, am Montag in Tel Aviv.
Der palästinensische Regierungssprecher Riad al Malki sprach von einer «nicht hinnehmbaren kollektiven Bestrafung». Damit werde die Lage im Gazastreifen immer komplizierter, sagte er in Ramallah. Israel hatte zuvor am Montagmorgen die umstrittenen Strafmaßnahmen gegen den Gazastreifen weiter verschärft.
Nachdem der südliche Grenzübergang in Suffa geschlossen wurde, ist derzeit nur noch der Übergang in Kerem Shalom nahe der ägyptischen Grenze offen. Laut israelischen Presseberichten verringert sich dadurch die Kapazität des grenzüberschreitenden Güterverkehrs um die Hälfte.
Uno befürchtet größere ArmutDas UN-Welternährungsprogramm (WFP) warnte vor den Folgen der Sanktionen im Gazastreifen. «Wir haben in den vergangenen vier Monaten bereits einen dramatischen Anstieg von bitterer Armut gesehen», sagte Sprecherin Kirstie Campbell in Jerusalem. Derzeit würden nur noch die Grundbedürfnisse abgedeckt und die Wirtschaft nähere sich dem Kollaps. «Die Bewohner von Gaza sind Menschen, und Menschen benötigen mehr als nur Grundnahrungsmittel. Sie müssen die Möglichkeit haben zu arbeiten oder als Farmer Saat zu bekommen.»
Israel hatte den Gazastreifen am 19. September zu einem «feindlichen Gebiet» erklärt, nachdem die radikalislamische Hamas dort Mitte Juni die Kontrolle übernommen hatte. In den vier Monaten seit der Machtübernahme der Hamas haben militante Palästinenser nach Angaben der israelischen Armee mehr als 1000 Granaten und Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert.
EU kritisiert «Kollektivstrafen»Israel hatte am vergangenen Sonntag damit begonnen, pro Woche 15 Prozent weniger Benzin und 13 Prozent weniger Dieselkraftstoff in den Gazastreifen zu liefern. Die außerdem geplante Kürzung der Energieversorgung hängt noch von einer Zustimmung des Generalstaatsanwaltes ab. Nach den Worten von Armeesprecher Dror soll die Stromversorgung in jenen Gebieten im Gazastreifen für 15 Minuten unterbrochen werden, aus denen Raketen auf Israel abgefeuert werden.
Die EU kritisierte Israel wegen der Drosselung der Treibstofflieferungen. «Kollektivstrafen sind niemals eine Lösung», erklärte die EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner am Montag bei einem Besuch in Jerusalem. Nach Einschätzung der Energiebehörde in Gaza dürften die Lieferengpässe erst in einigen Tagen deutlich werden, da man für vier Tage über Reserven verfüge. Dann wären aber auch die Krankenhäuser betroffen, hieß es.
Israelische Bürgerrechtler protestierenDie Strom- und Energiekürzungen würden nur tausende unschuldiger Zivilisten in Not bringen, kritisierte indes die israelische Friedensbewegung Peace Now. Hamas und die Terrorgruppen könnten sich neuer Unterstützung durch die Palästinenser erfreuen, während dem Ansehen Israels weltweit ein weiterer Schlag versetzt werde.
Bei einem Feuerwechsel im südlichen Gazastreifen sind nach Angaben der israelischen Armee ein Soldat getötet und zwei weitere verletzt worden. Bei dem Zwischenfall kam nach palästinensischen Angaben auch ein Hamas-Mitglied ums Leben. Ein weiteres Hamas- Mitglied und ein Zivilist seien im nördlichen Gazastreifen getötet worden. (dpa/AP)