netzeitung.deIsrael will Palästinensern den Strom abdrehen

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Militante Hamas-Mitglieder im Gazastreifen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Militante Hamas-Mitglieder im Gazastreifen
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Die Palästinenser im Gazastreifen müssen sich auf Versorgungsengpässe einstellen. Israel will wegen anhaltender Angriffe schrittweise den Strom abstellen.

Israel reagiert auf den fortgesetzten Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen: Die Regierung von Ministerpräsident Ehud Olmert will die Elektrizitätszufuhr für die palästinensische Bevölkerung deutlich reduzieren. Vertreter der Streitkräfte erklärten am Mittwoch, Verteidigungsminister Ehud Barak werde wahrscheinlich noch in dieser Woche einem entsprechenden Plan zustimmen.

«Wir werden die Stromversorgung aus Israel für mehrere Wochen dramatisch reduzieren», sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Matan Vilnai am Mittwoch dem Radiosender der Streitkräfte. Zunächst soll die Elektrizität nach Angaben aus Militärkreisen nur für 15 Minuten abgestellt werden, dann für eine halbe Stunde. Der Zeitraum soll jeden Tag ausgedehnt werden - solange der Raketenbeschuss andauert, wie Vilnai weiter erklärte. Außerdem soll auch die Versorgung mit Treibstoff eingeschränkt werden.

Ein Sprecher der radikal-islamischen Hamas bezeichnete das Vorhaben Israels als «Kriegsverbrechen». Nach internationalem Recht sei die Besatzungsmacht verpflichtet, humanitäre Hilfe zu leisten, sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri am Mittwoch in Gaza. Nach den Plänen der israelischen Armee sollen von kommender Woche an auch Treibstoff für Autos und Generatoren sowie andere Lieferungen in den Gazastreifen eingeschränkt werden.

Kliniken bekommen weiter Strom
Es wird erwartet, dass Barak dem Plan bereits am Donnerstag zustimmt. Dabei ist vorgesehen, dass Krankenhäuser und andere Einrichtungen verschont bleiben. Das Kabinett von Ministerpräsident Ehud Olmert hatte den Gazastreifen im September zum «feindlichen Territorium» erklärt und damit den Weg freigemacht für eine Abschaltung des Stroms.

Israel will die im Gazastreifen herrschende Hamas zwingen, die Raketenangriffe auf Südisrael zu stoppen. Vier Monate nach den palästinensischen Bruderkämpfen im Gazastreifen warf Amnesty International beiden Seiten schwere Verletzungen der Menschenrechte vor. Sowohl die Fatah-Bewegung von Mahmud Abbas als auch die radikalislamische Hamas habe die Zivilbevölkerung in ihren gewaltsamen Machtkampf hineingezogen, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht, der die Zahl der Todesopfer mit insgesamt 350 angibt.

Amnesty kritisiert Kampfhandlungen
Die Kämpfer beider Seiten hätten dichtbesiedelte Wohngebiete zum Kriegsschauplatz gemacht, kritisierte Amnesty. Wohnhäuser seien zu Kampfstellungen geworden. Der Hass auf die Rivalen habe selbst vor Patienten im Krankenhausbett nicht Halt gemacht. Der Bericht führt mehrere exemplarische Fälle auf. So wurde ein Kind auf dem Weg zu einem Süßwarengeschäft von den Splittern eines Geschosses tödlich getroffen.

Eine junge Frau wurde auf dem Weg zum Schulexamen von einem Heckenschützen getötet. Und eine Demonstration gegen die Gewalt endete im Kugelhagel, der drei Teilnehmern das Leben kostete. Die palästinensische Autonomieregierung unter Abbas verurteilte den Bericht. Minister Aschraf Adschrami sagte, die Fatah habe rechtmäßig gehandelt.

Amnesty habe sich keine große Mühe gegeben, die Wahrheit herauszufinden. Hamas-Sprecher Taher Nunu sagte, seine Organisation habe handeln müssen, um das Chaos im Gazastreifen zu beenden. «Wir bedauern die Opfer, die bei den internen Kämpfen ums Leben kamen», sagte Nunu und fügte hinzu, beide Seiten müssten zum Dialog zurückkehren und ein neues Kapitel aufschlagen.

Nach Armee-Angaben sind in den vier Monaten seit der gewaltsamen Machtübernahme im Gazastreifen durch die Hamas rund 1000 Kassam-Raketen und Mörsergranaten aus dem Gebiet auf israelisches Territorium abgefeuert worden. Allein am Dienstag seien acht Raketen in der israelischen Stadt Sderot und deren Umgebung eingeschlagen. (AP/dpa)