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Palästinensische Kliniken zwischen den Fronten

20. Jun 2007 14:40
Palästinenser mit Schusswunden in einer Klinik
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Auf Zivilisten nehmen die Kämpfer von Hamas und Fatah keine Rücksicht: Sie greifen auch Ärzte und Patienten in Krankenhäusern an.

Über dem Kopf des Arztes steckt eine Kugel in der Wand, einen Kollegen haben Kämpfer in den Fuß geschossen. Der palästinensische Bruderkrieg macht auch vor den Türen der Krankenhäuser nicht Halt: Auf dem Dach der Schifa-Klinik in Gaza haben Schützen Stellung bezogen, in einer anderen wurde ein Patient von feindlichen Kämpfern erschossen.

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«Ich habe ihnen gesagt, dass hier nur Zivilpersonen waren», schildert der Arzt Said Saadat den Vorfall. «Doch sie stießen mich auf den Boden, schossen in meinen Fuß.» Medikamentenmangel und unzureichende Ausrüstung sind nichts Ungewöhnliches im Schifa-Krankenhaus.

Wenn sich nach den Kämpfen zwischen israelischen Soldaten und Palästinensern die Verletzten auf den Fluren drängen, sind Antibiotika und Schmerzmittel schnell aufgebraucht. Mit rund 600 Betten ist Schifa die größte Klinik in der Stadt.

Nun aber steht sie zwischen den Fronten: Die meisten der 100 Toten und 500 Verwundeten der vergangenen Woche wurden hier versorgt. Doch mit den Verletzten kam auch der Krieg zwischen Hamas und Fatah in die Krankenzimmer. Einmal zwangen Kämpfer die Ärzte, ihre Kittel abzugeben, um in weißer Verkleidung aus dem umkämpften Gebäude zu fliehen.

Amputationen oft letzter Ausweg

Ein anderes Mal forderte ein Hamas-Mitglied für einen Verwandten eine Unterschrift für eine Röntgenaufnahme, obwohl die Ärzte sich dagegen entschieden hatten. «Unterschreib' das», drängte ein Kollege den Arzt Lui al Chalidi. «Das Land gehört jetzt denen.»

Mindestens 200 Patienten seien mit Schusswunden in den Beinen und Kniescheiben ins Krankenhaus gekommen, sagt Al Chalidi. In vielen Fällen bleibe nur die Amputation. «Einigen von ihnen habe ich den Tod gewünscht. Es ist eine solche Schande, mit so einer Verletzung zu leben, die von ihrem eigenen Volk verursacht wurde.»

Sein Patient Abdel Maguid Abu Lehija hat kein Wort gesprochen, seit er vor neun Tagen mit einer zerschmetterten Kniescheibe und fixierten Beinen aufwachte. Stöhnend schüttelt der 38-Jährige nur den Kopf. Viele Verletzte müssten in andere Krankenhäuser gebracht werden, sagt der Mitarbeiter Bakr Abu Safia.

Doch die Zuständigkeiten zwischen den Ärzten sind unklar, und die Grenze nach Israel ist geschlossen. «Wenn das eigene Leben in Gefahr ist, wen interessiert da die medizinische Versorgung?» Das Trauma, sagt Abu Safia, sei noch lange nicht vorbei. (Sarah El Deeb, AP)

 
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