Palästinenser ringen um Regierungsmacht
15.06.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Der von Abbas als neuer Regierungschef ausgewählte Fajad ist als unabhängiger Fachmann international respektiert. Fajad werde in den nächsten Stunden sein Kabinett zusammenstellen, sagte der Abbas-Berater Nabil Amr am Nachmittag. International bekam Abbas, der am gestrigen Donnerstag auch den Notstand ausgerufen hatte, Zustimmung. Die Europäische Union erklärte, sie unterstütze Abbas völlig. Die EU rufe alle Seiten auf, sich hinter Abbas zu stellen, erklärte Deutschland, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat. Israel erklärte, es sei positiv, dass Abbas das Hamas-Kabinett entlassen habe. Das mache es einfacher, mit den gemäßigten Kräften der Palästinenser zusammenzuarbeiten.
In der Vergangenheit hatten Hamas-Kämpfer die Übergänge häufiger angegriffen. Ohne eine baldige Öffnung der in dieser Woche wegen der Kämpfe geschlossenen Grenze droht im Gazastreifen aber ein Versorgungsengpass. Die Hamas schien entschlossen, schnell Ruhe und Ordnung im Gazastreifen wieder herstellen zu wollen. Abu Obeida kündigte an, die Hamas werde für die Freilassung des im Gazastreifen entführten britischen Journalisten Alan Johnston sorgen. Zu seiner Verschleppung hat sich eine Gruppe bekannt, die vermutlich auch Beziehungen zur Hamas hat.
Nach dem Sieg der Hamas kam es aber zunächst noch vereinzelt weiter zu Gewalttaten und zu Plünderungen. Ein Fatah-Mitglied, dass für den Tod eines Hamas-Kämpfers verantwortlich gewesen sein soll, wurde von dessen Angehörigen zu Tode gestürzt. Ein Fatah-Kommandeur, der erfahren hatte, dass er auf der Fahndungsliste der Hamas stand, beging Selbstmord. Das Haus des führenden Fatah-Funktionärs Mohammed Dahlan wurde gestürmt und geplündert. Die Menschen nahmen alles mit, was sich wegtragen ließ - auch Türen, Fenster und Blumentöpfe. Die Krankenhäuser im Gazastreifen waren weiter überfüllt. In dem Bürgerkrieg wurden in den vergangenen fünf Tagen mindestens 90 Menschen getötet. (AP)

