03.10.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Fatah-Anhänger demonstrieren am Dienstag gegen die Hamas
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Auseinandersetzungen zwischen den Palästinenser-Gruppen Fatah und Hamas drohen weiter zu eskalieren. Die Al-Aksa-Brigaden der Fatah riefen auf Flugblättern zum Mord an Hamas-Führern auf.
Nach den blutigsten innerpalästinensischen Konfrontationen seit dem Wahlsieg der radikalen Hamas zu Jahresbeginn haben sich die Spannungen zwischen den rivalisierenden Gruppen Fatah und Hamas weiter verschärft. Die bewaffnete Fatah-Gruppe Al-Aksa-Brigaden drohte am Dienstag mit der Tötung des Hamas-Exilchefs Chaled Maschaal. In einem im Westjordanland verteilten Flugblatt rief die Gruppe auch zum Mord am Hamas-Innenminister Said Siam sowie dem Chef der Hamas-Miliz, Jussef al-Sahar, auf. Sie seien für die blutigen Konfrontationen der vergangenen Tage verantwortlich.
Die Zahl der seit Sonntag bei den Konfrontationen zwischen Mitgliedern der Fatah und Hamas getöteten Palästinenser stieg am Dienstag auf elf. Bei Zusammenstößen in Rafah wurden in der Nacht erneut zwei Menschen getötet. Auslöser der Gewalt, bei der seit Sonntag mehr als 120 Palästinenser verletzt wurden, waren gewaltsame Proteste von Polizisten, die der Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nahe stehen. Sie hatten für die Auszahlung überfälliger Gehälter demonstriert, Straßen blockiert und Autoreifen in Brand gesetzt. Die Hamas-Regierung betrachtete dies als Meuterei und erklärte, sie wolle die Proteste gewaltsam niederschlagen.
Am Montag hatte sich die Hamas-Miliz dann zunächst von den Straßen im Gazastreifen zurückgezogen. Ägyptische Vertreter vermittelten zwischen der Hamas-Miliz und den Sicherheitskräften. Ein Abbas-Berater sagte am Montag in Ramallah auf einer Pressekonferenz, die Situation in Gaza sei unter Kontrolle. Dagegen kam es im Westjordanland am Montag noch zu Schießereien zwischen den verfeindeten Parteien. Bewaffnete Fatah-Mitglieder griffen in mehreren Teilen des Westjordanlandes Hamas-Büros an und richteten erheblichen Sachschaden an. Am Sonntagabend hatte Abbas die rivalisierenden Gruppen zur sofortigen Einstellung ihrer Kämpfe aufgerufen.
Im südlichen Gazastreifen starb unterdessen am Dienstag ein Palästinenser an Verletzungen, die er bei einem israelischen Luftangriff in der Nacht erlitten hatte. Bei dem Angriff in Chan Junis wurden zwei weitere Menschen verletzt. Die israelische Armee teilte mit, sie habe dort ein palästinensisches Waffenlager bombardiert.(nz)