31.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Militärangriff im Südlibanon
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Kurz vor Ende des Waffenkonflikts mit der Hisbollah warf Israel vermehrt Streubomben auf den Südlibanon. Auch aus der Uno selbst kommt nun Kritik an dem Einsatz der umstrittenen Munition.
Der Termin des Waffenstillstands im Südlibanon stand schon fest, das Ende des Waffenkonflikts war absehbar. Dennoch luden die Besatzungen israelischer Kampfflieger in den letzten 72 Stunden der Bombardements und Raketenangriffe vermehrt Streumunition an Bord ihrer Jets und flogen zum Einsatz: 90 Prozent der über dem von der israelfeindlichen Hisbollah-Miliz besetzten Südlibanon eingesetzten Streumunition fiel in den letzten drei Tagen vor der Waffenruhe, beklagt die Uno, «vollständig unmoralisch», sei dies, kritisierte der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jan Egeland.
Er warnte davor, dass bis zu 100.000 dieser Sprengkörper noch nicht explodiert seien und im Südlibanon Menschen bedrohten. Zum Zeitpunkt der Abwürfe sei klar gewesen, dass eine UN-Resolution verabschiedet werde und dass die kriegerischen Auseinandersetzungen enden würden. Jeden Tag würden Menschen von diesen Waffen verletzt oder getötet, betonte Egeland.
Gefährliche BlindgängerDen Streubombeneinsatz hatten die libanesische Armee, aber auch Menschenrechtsorganisationen und die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul beklagt. Die Ministerin verlangte eine UN-Untersuchung der Vorwürfe. Nicht nur deswegen, auch wegen ihrer Äußerung, Israel breche mit seinem Bombardements des Südlibanon Völkerrecht, zog Wieczorek-Zeul die harte Kritik des Zentralrats der Juden auf sich.
Streubomben sind in einer Bombe verpackte Splittersprengkörper, die die Waffe bei ihrer Explosion kurz über dem Boden über eine große Fläche verteilt. Nicht alle der Sprengkörper entfalten ihre zerstörerische Wirkung, denn einige bleiben als gefährliche Blindgänger liegen. Menschenrechtler verlangen ihre Ächtung, kriegsrechtlich ist ihr Einsatz jedoch erlaubt.
160 Israelis starbenNeben den Streubomben beklagte Egeland auch andere gefährliche Überreste der kriegerischen Auseinandersetzungen, die die Hauptbedrohung für die zurückkehrenden libanesischen Flüchtlinge darstellten. Etwa 200.000 Flüchtlinge könnten nach UN-Einschätzung nicht in ihre Häuser zurückkehren, weil sie zerstört oder wegen Blindgängern unbewohnbar seien, sagte Egeland.
Anlass der israelischen Bombardements war die Entführung von israelischen Soldaten durch die Hisbollah Mitte Juli. Zudem feuerte die Miliz mit Raketen auf Israel. Bis zu einem von der Uno verfügten Waffenstillstand starben allein mehr als 1200 Libanesen, zudem fast 160 Israelis, Hunderttausende verloren ihr Zuhause und flohen. Die Uno verfügte in ihrer Resolution zudem, die Hisbollah zu entwaffnen, die Entführten freizugeben. Auch soll die derzeit im Südlibanon stationierte Blauhelmtruppe um 13.000 Soldaten aufgestockt werden. (nz)