Chirac und Annan streiten über Nahost-Truppe
25.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Die Führung solle bis Februar 2007 Frankreich weiter innehaben, so Annan. «Ich habe entschieden, dass danach Italien die Führung übernimmt.» Frankreichs Außenminister Philippe Douste-Blazy sagte, Paris habe dagegen keine Einwände.
Der Nahostkonflikt stand am Freitag auch im Mittelpunkt von Gesprächen zwischen Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac und Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Blockade der libanesischen Häfen und Flughäfen sei «extrem schädlich für das Leben des Libanons» und «völlig ungerechtfertigt», sagte Chirac. Israel müsse gemäß der UN-Resolution 1701 «die Blockade so schnell wie möglich» aufheben. Die Resolution hatte der UN-Sicherheitsrat vor kurzem verabschiedet, um den im Juli entstandenen Waffenkonflikt zwischen Israel und der schiitischen Hisbollah-Miliz im Südlibanon zu beenden. Sie sieht vor, die Miliz zu entwaffnen, eine Blauhelmtruppe zu stationieren und die Kontrolle des Südlibanon durch die staatliche Armee.
Chirac machte deutlich, dass die Unifil die in der UN-Resolution genannte Obergrenze von 15.000 Mann bei weitem nicht erreichen wird. Im kleinen Südlibanon würden sich 15.000 Blauhelme und die geplanten 15.000 libanesische Soldaten «auf die Füße treten», sagte er. Die Zahl von 15.000 Blauhelmen sei «völlig überzogen»: «Das ergibt keinen Sinn.» Annan erklärte dagegen, «ich werde die 15 000 bekommen.»
Wie eine US-Zeitung berichtete, untersucht das US-Außenministerium, ob Israel gegen geheime Vereinbarungen verstoßen und im Libanon auch amerikanische Streubomben einsetzte. Die Untersuchungen hätten begonnen, nachdem es im Südlibanon zahlreiche zivile Opfer durch diesen Waffentyp gegeben habe und drei verschiedene Munitionstypen gefunden worden seien, berichtete die Tageszeitung «New York Times». (nz)

