18.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Blauhelmsoldaten der Uno, hier in Haiti
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Zusagen der Staaten für die in Nahost geplante UN-Friedenstruppe bleiben vage. Die Uno sucht Zweifel zu zerstreuen und ruft zu mehr Engagement auf. Bisher stellt Bangladesh die meisten Soldaten.
Einen Tag nach der enttäuschend verlaufenen Truppensteller-Konferenz für den Libanon haben die Vereinten Nationen ein größeres Engagement der Europäer gefordert. «Es ist sehr wichtig, dass Europa jetzt den Finger hebt», mahnte der stellvertretende UN- Generalsekretär Mark Malloch Brown in New York. Bisher hätten sich vor allem Entwicklungsländer wie Indonesien oder Bangladesch zur Bereitstellung von Truppen verpflichtet, was auch «enorm hilfreich» sei. Doch nun sei es sehr wichtig, «dass auch Europa Truppen zur Verfügung stellt». Auf der Konferenz waren nur Zusagen für 3500 Soldaten eingegangen, insgesamt werden 13.000 benötigt.
Bangladesch bot mit 2000 Soldaten das größte Kontingent an. Zusagen über je ein oder zwei Bataillone kamen nach Angaben von UN-Diplomaten auch aus Malaysia und Nepal. Großbritannien stellte sechs Jaguar-Flugzeuge, zwei AWACS-Aufklärungsflugzeuge und eine Fregatte in Aussicht. Dänemark sagte zwei Schiffe zu. Die USA wollen Hilfe bei Planung und Logistik leisten.
Bisher zögern viele Staaten mit genauen Zusagen. Es fehle etwa an genaueren Informationen dazu, wie weit die UN-Soldaten die Entwaffnung der radikal-islamischen Hisbollah vorantreiben müssten, hieß es zur Begründung.
Grundsätzlich bereiterklärtFür Enttäuschung hatte am Donnerstag Frankreich gesorgt, das lediglich 200 zusätzliche Soldaten für die geplante UN-Friedenstruppe im Südlibanon ankündigte. UN-Vertreter hatten sich von Frankreich eine größere Beteiligung erhofft, weil das Land zugleich angeboten hat, die Führung der UN-Truppe zu übernehmen. Auch US-Präsident Bush forderte Frankreich zu größetem Engagement auf. Gemäß der jüngsten UN-Resolution soll die im Südlibanon bereits stationierte Blauhelmtruppe soll von 2000 auf 15.000 aufgestockt werden.
Bisher hatten sich auch die EU-Mitglieder Italien, Griechenland, Deutschland und Schweden grundsätzlich zur Entsendung von Soldaten bereit erklärt. Deutschland will die Marine und Luftwaffe anbieten sowie mit einem Lazarettschiff und Flugzeugen die humanitäre Hilfe unterstützen. Italien will bis Ende August Soldaten entsenden.
Grenze zu Israel erreichtAuch weitere Nicht-EU-Staaten wie Norwegen, Türkei, Ägypten und Kanada sind grundsätzlich bereit zur Hilfe.
Die Friedenstruppe soll sicherstellen, dass es zu keinen neuen Konfrontationen zwischen Israel und der schiitischen Hisbollah-Miliz im Südlibanon kommt und zudem die libanesische Armee unterstützen, die derzeit erstmals seit 38 Jahren wieder im Süden des Landes die Kontrolle übernimmt. Sie erreichte am Freitag die Grenze zu Israel. Ein Militärfahrzeug mit der libanesischen Flagge patrouillierte in der Nähe des Dorfes Kfar Kila. Die Dorfbewohner empfingen die Soldaten mit Reis und Hochrufen auf die Hisbollah.
UN zerstreut BedenkenIsrael und Hisbollah hatten sich seit Mitte Juli heftig gegenseitig beschossen und bombardiert, Israel war mit Bodeneinheiten in des nördliche Nachbarland vorgerückt. Seit Montag herrscht eine von der Uno beschlossene Waffenruhe. In den 34 Tagen des Waffenkonflikts kamen mindestens 845 Libanesen ums Leben, darunter 743 Zivilpersonen. Auf israelischer Seite wurden 157 Menschen getötet - 118 Soldaten und 39 Zivilpersonen. Hunderttausende mussten wegen der Kämpfe fliehen. Anlass des Konflikts war die Entführung israelischer Soldaten.
UN-Vizegeneralsekretär Brown versuchte in New York, die Bedenken und Zweifel europäischer Regierungen zu zerstreuen. «Es ist keine offensive Streitmacht.» Die UN-Soldaten sollten in erster Linie Polizeifunktionen wahrnehmen. Im Prinzip müsse die Truppe nur die Einhaltung eines Abkommens überwachen, dem alle Seiten, einschließlich der Hisbollah, zugestimmt hätten. Es könnte aber hier und da «Herausforderungen» geben, wenn kleine Gruppen sich der freiwilligen Entwaffnung widersetzen würden. «Dann würden wir in der Tat mit Gewalt vorgehen.» (nz)