08.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Webseite des Zentralrats der Juden in Deutschland
Foto: nz (screenshot)
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Offiziell ruft der Zentralrat der Juden in Deutschland zur Solidarität mit Israel auf. Doch innerhalb der Dachorganisation regt sich inzwischen auch Kritik an der Militäraktion im Libanon.
Erstmals hat ein führender Vertreter des Zentralrats der Juden in Deutschland Kritik an den Angriffen Israels auf den Libanon geübt. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, Rolf Verleger, verurteile in einem internen Brief «Israels Gewaltpolitik», berichtete die Berliner «Tageszeitung». Verleger gehört auch dem Direktorium des Zentralrats an.
Zudem wirft Verleger dem Präsidium des Zentralrats dem Bericht zufolge vor, in seinen öffentlichen Stellungnahmen die dunkle Seite der israelischen Politik im Libanon und gegenüber den Palästinensern zu verschweigen. In seinem Schreiben an das Präsidium und an die anderen Direktoriumsmitglieder protestiere Verleger dagegen, dass der Zentralrat «öffentlich Partei für die militärischen Maßnahmen der israelischen Regierung gegen den Libanon ergriffen» hat.
Es sei ihm zwar klar, dass dies die Mehrheitsmeinung der Juden in Deutschland ausdrücke. Er hätte jedoch vom Präsidium «noch etwas mehr erwartet», zitiert die Zeitung den Professor für Neurophysiologie am Lübecker Universitätsklinikum.
Der jüdische Staat diskriminiere andere Menschen und bestrafe sie in Kollektiv-Verantwortung, praktiziere Tötungen ohne Gerichtsverfahren, lasse für jeden getöteten Israeli zehn Libanesen umbringen und ganze Stadtviertel in Schutt und Asche legen, heißt es dem Bericht zufolge in Verlegers Schreiben. «Ich kann doch wohl vom Zentralrat der Juden in Deutschland erwarten, dass dies wenigstens als Problem gesehen wird.» Laut «taz» hat Verleger bereits von der Zentralrats-Vorsitzenden Charlotte Knobloch eine «ablehnende Antwort» erhalten. (nz)