08.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
'Ärzte ohne Grenzen' helfen im Libanon
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Israel kämpft nicht nur gegen die Hisbollah, sondern auch gegen die Regierung des Libanon - allerdings ohne offizielle Kriegserklärung: Mit Blockaden greift die Armee in die Souveränität des Nachbarstaats ein.
Im libanesischen Grenzgebiet verhindert Israel, dass Hilfsorganisationen Lebensmittel und Medikamente an die Zivilbevölkerung verteilen können. Das teilte am Dienstag das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) mit.
Israel habe eine Blockade über Teile des südlichen Libanon verhängt, sagte IKRK-Sprecher Richard Huguenin in Tyrus. Entgegen früherer Zusagen hätten die Militärbehörden nicht für die Sicherheit der Helfer garantieren wollen. Seit zwei Tagen seien deshalb keine Hilfslieferungen mehr möglich.
Auch auf dem Seeweg war es dem Sprecher zufolge nicht mehr möglich, die Bevölkerung im Südlibanon zu versorgen. Ein griechisches Schiff mit Hilfsgütern des Roten Kreuzes habe keine Genehmigung erhalten, den Hafen von Tyrus anzusteuern. Es sei schließlich nach Sidon nördlich des Litani-Flusses umgeleitete worden.
Israel hat mehrfach angekündigt, ein etwa 30 Kilometer tiefes Gebiet südlich dieses Flusses bis zur israelischen Grenze zur Pufferzone zumachen. Die dortige Bevölkerung wurde zur Ausreise aufgerufen.
Montagnacht setzte Israel ein zeitlich unbeschränktes Fahrverbot im Südlibanon in Kraft. Begründet wurde es damit, dass Nachschublieferungen für die Hisbollah unterbunden werden sollten. Den Menschen im Südlibanon riet die Armee, ihre Häuser nach 22 Uhr nicht mehr zu verlassen. Es bestehe Gefahr für Leib und Leben. Die Libanesen seien durch Flugblätter und in Radiosendungen darauf aufmerksam gemacht worden, sagte ein Sprecher.
Das Rote Kreuz geht davon aus, dass sich noch immer rund 100.000 Menschen in diesem Gebiet aufhalten - etwa 27.000 in Tyrus, 33.000 in den verstreuten Dörfern und ungefähr 40.000 Palästinenser in vier Flüchtlingslagern.
Israel wirft Libanon «Tricks» vorIsrael sprach zudem den Streitkräften des Libanon jegliche Handlungsfähigkeit ab: «Wir kennen die libanesische Armee», sagte der israelische Kabinettsminister Tsahi Hanegbi im Armeerundfunk. Die Regierung reagierte damit ablehnend auf einen Vorschlag des Libanon, als Teil einer Waffenstillstands-Vereinbarung Militär in den Süden des Landes zu entsenden.
Hanegbi sprach von einer «virtuellen Armee, die nie in einem echten Konflikt getestet wurde». Der Vorschlag Beiruts als Kompromiss für einen Waffenstillstand sei nur ein «Trick», um den wachsenden Druck auf die Hisbollah-Miliz zu stoppen. Der UN-Sicherheitsrat hatte bereits im September vergangenen Jahres in der Resolution 1559 die Regierung in Beirut aufgefordert, reguläres Militär in den Süden des Landes zu entsenden, um die radikal-schiitische Miliz zu entwaffnen.
Israel bereitet Besetzung vorIm libanesisch-israelischen Grenzgebiet gingen die Gefechte am Dienstag weiter. Von beiden Seiten wurden Tote und Verletzte gemeldet. Der israelische Verteidigungsminister Amir Perez wies die Armee nach eigenen Angaben an, sich auf eine Besetzung von Gebieten im Südlibanon vorzubereiten. (nz)