Netzeitung Logo
 
Aktuelles  »  Politik  »  Ausland
DruckenVersenden
 

Papst fordert sofortige Waffenruhe in Nahost

30. Jul 2006 13:46, ergänzt 15:58
Demonstration vor dem UN-Gebäude in Beirut nach dem Angriff
Bild vergrößern
Der israelische Angriff auf Zivilisten in Kana hat weltweit Bestürzung ausgelöst. Papst Benedikt XVI. sagte, die Situation werde immer schlimmer und tragischer. Außenminister Steinmeier zeigte sich entsetzt über den Angriff.

Papst Benedikt XVI. hat am Sonntag erneut eindringlich eine Waffenruhe im Nahen Osten gefordert. «Im Namen Gottes wende ich mich an alle Verantwortlichen dieser Spirale der Gewalt, damit sie sofort die Waffen niederlegen», sagte der Kirchenführer vor dem Angelus-Gebet in seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo bei Rom. Die Situation werde immer «schlimmer und tragischer», ergänzte er mit Blick auf den israelischen Angriff in Kana im Südlibanon.

Mehr in der Netzeitung:
  • Libanon nenn Luftangriff «Kriegsverbrechen» 30. Jul 2006 12:10, ergänzt 13:09
  • Ölpest vor Libanons Küste 30. Jul 2006 13:07
  • Nahost: Neueste Meldungen auf einen Blick 24. Jul 2006 13:48, ergänzt 31. Jul 2006 11:35
  • Mehr als 50 Tote nach Luftangriff im Libanon 30. Jul 2006 08:42, ergänzt 11:28
  • Es sei nicht möglich, Gerechtigkeit, eine neue Ordnung und Frieden zu schaffen, solange dafür «das Instrument der Gewalt» benutzt werde: «Beten wir zu Jesus Christus, dem Fürsten des Friedens, dass die Verhärtung der Herzen aufhört und die Waffen endlich schweigen!», sagte er in deutscher Sprache. Er fürchte, dass die wachsende Zahl der Opfer neue Rachegefühle hervorbringe. Die internationale Gemeinschaft dürfe keine Mühen scheuen, um den nötigen Waffenstillstand zu erreichen.

    Steinmeier fordert Verhältnismäßigkeit

    Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) reagierte entsetzt auf die Berichte über die zahlreichen zivilen Opfer des Angriffs. Er habe in Gesprächen mit israelischen Politikern immer darauf hingewiesen, dass auch im Rahmen des Rechts auf Selbstverteidigung die Verhältnismäßigkeit gewahrt werden müsse.

    Der Angriff auf Kana und seine Folgen zeigten erneut, dass ein schneller Waffenstillstand nun oberste Priorität haben müsse. Steinmeier zeigte sich überzeugt, dass ein Konflikt nur im Rahmen einer politischen Regelung gelöst werden könne und appellierte an die Konfliktparteien, der internationalen Diplomatie eine Chance zu geben.

    «Unentschuldbar»

    Frankreichs Präsident Jacques Chirac verurteilte den Angriff als «unentschuldbar» und forderte ebenfalls eine Waffenruhe. Er sei «bestürzt» nach diesem «Akt der Gewalt, der viele unschuldige Opfer das Leben gekostet» hat, sagte er in einer Erklärung. Österreichs Außenministerin Ursula Plassnik verlangte ein sofortiges Ende der «blinden Gewalt». In ungewöhnlich deutlicher Form nannte auch die EU-Außenkomissarin Benita Ferrero-Waldner den Angriff «unentschuldbar zu einem Zeitpunkt, zu dem die internationale Gemeinschaft gemeinsam nach einer Lösung des Konflikts sucht».

    US-Außenministerin Condoleezza Rice teilte dem libanesischen Ministerpräsidenten Fuad Siniora telefonisch ihr Bedauern über die vielen zivilen Todesopfer bei dem israelischen Angriff auf das Dorf Kana mit: «Zu viele unschuldige Menschen haben ihr Leben verloren.» Bei einer Pressekonferenz in Jerusalem sagte die Außenministerin, sie habe ihren geplanten Besuch in Beirut vorerst verschoben und werde sich weiter in Israel um eine schnelle Beendigung des Konflikts bemühen. Siniora hatte zuvor gesagt, er habe angesichts des Angriffs die Außenministerin ausgeladen.

    «Tragödie und Rückschlag»

    Die britische Außenministerin Margaret Beckett nannte den Angriff auf das Dorf eine Tragödie und Rückschlag für die Friedensbemühungen. Großbritannien werde mit allen Beteiligten zusammenarbeiten, um eine Lösung für ein Ende der Gewalt zu finden, sagte sie im britischen Fernsehen. Sie forderte jedoch keinen umgehenden Waffenstillstand. «Wir haben die Israelis wiederholt aufgefordert, angemessen zu handeln», sagte die Ministerin.

    Jordanien, der Iran und Pakistan verurteilten das Bombardement ebenfalls. Jordaniens König Abdullah II. sprach von einem «hässlichen Verbrechen». Ägyptische Oppositionsabgeordnete warfen den arabischen Ländern vor, zu dem israelischen Vorgehen zu schweigen. «Ihr arabischen Führer, warum äußert ihr Euch nicht?», riefen rund 100 Abgeordnete der Linken und der Muslimbruderschaft bei einem Protest vor dem Sitz der Arabischen Liga in Kairo. Auch in der syrischen Hauptstadt Damaskus kam es zu Protesten vor dem UN-Gebäude.

    «Voller Kummer»

    Israels Regierungssprecherin Miri Eisin kündigte eine Untersuchung zu dem Angriff an. Im US-Nachrichtensender CNN sagte sie, der Zwischenfall sei eine «schreckliche Tragödie». Es werde untersucht, wie es zu diesem «Fehler» gekommen sei. «Israel ist tief betrübt und voller Kummer», sagte sie. Die israelische Luftwaffe habe das Gebäude mit den Flüchtlingen «nicht anvisiert», sondern Hisbollah-Stellungen in der Nähe, von denen aus Israel mit Raketen beschossen werde.

    Bei dem Luftangriff auf das Dorf Kana am Sonntagmorgen waren 51 Menschen getötet worden, darunter 27 Kinder. Sie hatten im Keller eines Hauses Zuflucht gesucht, dass komplett zerstört wurde. (nz)

     
    DruckenVersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
     
    Zu weiteren Bildergalerien
    Zu weiteren Bildergalerien
    Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
     
    Koalition einigt sich bei Online-Durchsuchung: 
    BKA-Trojaner erhält Verfallsdatum
    Trauerfeier zu Afghanistan-Soldaten: 
    Jung würdigt Verdienste «gefallener Soldaten»
     
    Anschlagsserie mit Dutzenden Toten: 
    13-Jährige sprengt sich im Irak in die Luft
    Nach dem Tod von acht Zivilisten: 
    Syrien kritisiert «Aggression» der US-Armee
     
    «Außergewöhnliche Umstände»: 
    Merkel und Sarkozy wollen Stabilitätspakt lösen
    Alternative Energien, alternative Lieferanten: 
    Brüssel macht sich auch für Atomkraft stark
    Live Top 5
    netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
    Aus anderen Ressorts
    Zur Autogazette

    Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
    NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
    Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
     
    Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
     
    IT & Security by Procado
     
    [ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
    Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.