netzeitung.deMehr als 50 Tote nach Luftangriff im Libanon

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Rot-Kreuz-Mitarbeiter bergen ein Mädchen in Kana (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Rot-Kreuz-Mitarbeiter bergen ein Mädchen in Kana
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Bei einem Angriff der israelischen Luftwaffe sind Dutzende Menschen in einem Dorf in Südlibanon getötet worden. Unter ihnen waren auch 27 Kinder. Beirut lud US-Außenministerin Rice aus, die für den Nachmittag einen Besuch geplant hatte.

Auch am Sonntagmorgen hat Israel weiter Angriffe auf den Süden Libanons geflogen. In einem Dorf kamen dabei laut Polizei und Augenzuegen mindestens 51 Menschen ums Leben. Sie befanden sich in einem oder mehreren Gebäuden in dem Dorf Kana östlich der Hafenstadt Tyros. Bei den Opfern soll es sich vor allem um Flüchtlinge handeln, die aus der Kampfzone im südlibanesischen Grenzgebiet weiter nach Norden geflüchtet waren. Unter den bisher geborgenen Toten sind auch 27 Kinder.

Ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes nannte in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa den Angriff ein «Massaker». In demselben Ort waren bei einem israelischen Luftangriff 1996 schon einmal 109 Menschen getötet worden. Bei dem Angriff am Sonntag waren die Häuser offenbar über den schlafenden Bewohnern zusammengebrochen.

Ein Militärsprecher in Tel Aviv wollte sich nicht dazu äußern, was der genaue Grund für den Angriff auf das Haus war. Die Zivilbevölkerung sei aber schon vor Tagen über Flugblätter zum Verlassen der Häuser aufgerufen worden. «Aus dem Gebiet gab es zahllose Angriffe auf den Norden Israels», sagte der Sprecher. «Die israelische Armee ist entschlossen, diesen Terror auszulöschen.»

Rice ausgeladen
Der für Sonntagnachmittag geplante Besuch von US-Außenministerin Condoleezza Rice in Beirut wurde von der libanesischen Regierung abgesagt. Der sichtlich wütende Regierungschef Fuad Siniora trat vor die Fernsehkameras und sagte, angesichts des Massakers unter der Zivilbevölkerung gebe es keinen Raum für Gespräche.

Die israelische Luftwaffe bombardierte laut Angaben eines Militärsprechers am frühen Sonntagmorgen 40 Ziele im Libanon. Die Angriffe hätten Einrichtungen der radikalislamischen Hisbollah-Miliz sowie Straßenverbindungen gegolten, hieß es. Die Hisbollah feuerte am 19. Tag des Konflikts ihrerseits zehn Raketen auf Gebiete im Norden Israels. Gleichzeitig schickte die israelische Armee in der Nacht weitere Bodentruppen und Panzer in das südlibanesische Grenzgebiet.

Mehr als 500 Tote seit Beginn der Kämpfe
Die israelischen Bodentruppen rückten am Sonntag weiter in den Norden vor. Laut einer Armee-Sprecherin gab es um den libanesischen Grenzort Taibe herum Gefechte zwischen Soldaten und Hisbollah-Milizen. Dabei seien zwei Soldaten verletzt und drei Hisbollah-Kämpfer «getroffen» worden.

Israels Ministerpräsident Ehud Olmert sagte zu Beginn einer Kabinettssitzung in Jerusalem, sein Land sei «nicht in Eile, eine Waffenruhe zu erreichen». Vorher müssten Fortschritte im diplomatischen Prozess und Vorbereitungen für eine internationale Truppe erreicht werden.

Die seit dem 12. Juli anhaltenden Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz haben inzwischen mehr als 500 Menschen das Leben gekostet. Mehr als 450 davon starben auf libanesischer Seite, darunter rund 400 Zivilpersonen. Mehr als 150 werden noch vermisst und sind vermutlich ebenfalls tot.

Rice sollte an diesem Sonntag ihre Gespräche in Israel fortsetzen. Vorgesehen sind Begegnungen mit ihrer Amtskollegin Zipi Liwni und Verteidigungsminister Amir Perez. Am Vortag hatte die Amerikanerin mit Regierungschef Ehud Olmert Bedingungen über die Stationierung einer Friedenstruppen im Südlibanon erörtert.

Rice nicht für sofortige Waffenruhe
Rice hatte sich am Samstagabend mit dem israelischen Regierungschef Ehud Olmert getroffen. Dabei sei es um die Bedingungen für eine Entsendung einer internationalen Friedenstruppe in den Libanon gegangen. Rice habe bei ihren Beratungen mit dem israelischen Regierungschef nicht auf eine sofortige Waffenruhe in dem bald drei Wochen alten bewaffneten Konflikt bestanden, berichtete die Zeitung «Yediot Aharonot» in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf das Büro des Premiers. Diese setze die Freilassung der beiden entführten israelischen Soldaten voraus. (nz)