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Israel scheut Boden-Offensive in Libanon

27. Jul 2006 12:24, ergänzt 16:05
Israelische Bombenangriffe in Beirut
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Bei den Kämpfen gegen die Hisbollah hat die israelische Armee hohe Verluste erlitten. Auch innerhalb der israelischen Regierung regt sich inzwischen Kritik an der bisherigen Militärstrategie.

Das israelische Sicherheitskabinett hat sich am Donnerstag gegen eine Ausweitung der Militäraktion im südlichen Libanon ausgesprochen. In ihrer derzeitigen Form sei die Offensive angemessen, sagte Regierungschef Ehud Olmert laut dem israelischen Rundfunk.

Allerdings wurde demnach beschlossen, zusätzliche Reservisten einzuberufen, um die Truppen im Libanon aufzufrischen. Zuvor hatte die Zeitung «Haaretz» berichtete, die Minister seien sich über die Militärstrategie nicht einig.

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Nach Medienberichten rieten mehrere Mitglieder der Regierung von einer von einer Fortsetzung des Bodenkampfes ab, nachdem bei Gefechten um die Hisbollah-Hochburg Bint Dschbeil neun israelische Soldaten gefallen waren.

Politische Beobachter gehen davon aus, dass die Armee allmählich von ihrer bisherigen Taktik, bestimmte Stellungen der Hisbollah entlang der Grenze zu Israel zu attackieren, Abstand nimmt. Angemessener erscheine es nun, vorübergehend eine Sicherheitszone einzurichten, um die Angreifer in den Norden des Libanon zurückzudrängen.

Gegen die Ausweitung der Offensive sprach sich unter anderem der israelische Justizminister Chaim Ramon aus. «Jeder im Süden Libanons ist ein Terrorist und mit der Hisbollah verbunden», sagte er dem Armeeradio. «Unser großer Vorteil gegenüber Hisbollah ist unsere Feuerkraft, nicht der Kampf von Mann zu Mann.»

Minister: Orte in Sandkästen verwandeln

Arbeitsminister Eli Ischai forderte allerdings, dass Ortschaften, die Widerstand leisteten, aus der Luft angegriffen werden sollten, nachdem die Einwohner gewarnt worden seien. «Dörfer, in denen sich Hisbollah-Terroristen verstecken, sollten wir nicht betreten, bevor wir sie in Sandkästen verwandelt haben.»

Die Zeitung «Jediot Achronot» berichtete zudem, die Armee wolle im Südlibanon Dörfer zerstören, von denen aus Raketen auf den Norden Israels abgefeuert würden. Solche «Hisbollah-Dörfer» sollten ausgelöscht werden, zitierte die Zeitung einen namentlich nicht genannten, hochrangigen Militär. Die Armee wollte zu dem Bericht nicht Stellung nehmen.

In Regierungskreisen wurde «Haaretz» zufolge zudem die Sorge geäußert, dass Syrien eine Ausweitung der Offensive als Vorbereitung eines Angriffs auf sein Territorium missverstehen könnte.

Bei mehr als 90 israelischen Luftangriffen auf Ziele im Südlibanon und in der östlichen Bekaa-Ebene wurden mindestens drei Menschen getötet. Ein libanesischer Polizist und zwei Zivilisten starben, als eine israelische Bombe mehrere Fahrzeuge in der Nähe von Kark in der Bekaa-Ebene traf, teilte die Polizei in Beirut mit.

Hisbollah-Rakete trifft Chemiewerk

Am Donnerstag traf eine Rakete der Hisbollah ein Chemiewerk in der nordisraelischen Grenzstadt Kirjat Schmona, wie die israelischen Sicherheitskräfte mitteilten. Über das Ausmaß der Schäden wurde zunächst nichts bekannt. Welche Chemikalien betroffen waren, blieb ebenfalls unklar.

Am Vorabend hatte die israelische Luftwaffe eine libanesische Armeekaserne in Amtschit, 40 Kilometer nördlich von Beirut, angegriffen. Die radikal-islamische Hisbollah-Miliz feuerte bis zum Nachmittag mehr als 30 Raketen auf Nordisrael ab, die Sachschaden anrichteten. Eine Armeesprecherin teilte mit, im Umkreis der Stadt Safed seien mindestens zehn Katjuscha-Raketen eingeschlagen. Israelische Medien berichteten, der Angriff habe vor Ort einen größeren Waldbrand ausgelöst. (nz)

 
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