Bundeswehr-Engagement in Nahost umstritten
27.07.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Der frühere Außenminister Klaus Kinkel (FDP) hält die Frage nach einer deutschen Beteiligung ebenfalls für noch «zu früh». Eine andere Situation entstünde aber, «wenn die israelische Seite einen solchen Einsatz ausdrücklich wünschte», sagte Kinkel der «Bild»-Zeitung. Dann «wäre es gerade im Hinblick auf die deutsche Vergangenheit nicht angemessen, diese Bitte abzuschlagen».
Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Klaus Naumann, sah dies in der Münchner «Abendzeitung» ähnlich: «Wenn wir ständig auf unsere Fahne schreiben, dass wir eine Verantwortung für Israel und seine Existenz als jüdischer Staat in der Region haben, und wenn man so weit geht wie die Kanzlerin neulich und sagt, der Schutz Israels sei Teil der deutschen Staatsräson, dann kann Deutschland nicht kneifen, wenn es darum geht, einen Beitrag zu leisten, um Israel mehr Sicherheit in seinem gefährdeten nördlichen Landesteil zu geben.»
Der jüdische Schriftsteller Ralph Giordano würde eine deutsche Beteiligung an einem UN-Sicherheitskontingent im Südlibanon begrüßen, da sie auch ein Zeichen dafür wäre, dass zwischen Deutschland und Israel, «soweit dies möglich ist, eine Normalisierung Fortschritte gemacht hat», sagte er der «Bild»-Zeitung.
Unterdessen registriert der Zentralrat der Juden in Folge des eskalierten Nahostkonflikts eine zunehmend antiisraelische und antisemitische Stimmung in Deutschland. Generalsekretär Stephan Kramer sagte der «Stuttgarter Zeitung», von mehr als 200 E-Mails, die an einem Tag bei ihm eingegangen seien, sei der Großteil so negativ, dass die Grenze zum Antisemitismus oft überschritten werde. «Wir sind an einem Punkt angelangt, wo ich sagen muss: So tief waren wir noch nicht unten. Das ist sehr traurig», sagte Kramer. (nz)

