Todesangst am Blauhelm-Posten: UN-Beobachter erbaten Feuerstopp: 

netzeitung.deBlauhelme baten zehn Mal um Feuerstopp

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UN-Beobachter tragen die Leiche eines im Libanon getöteten Kollegen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe UN-Beobachter tragen die Leiche eines im Libanon getöteten Kollegen
Foto: dpa
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Die vier bei einem israelischen Angriff im Südlibanon getöteten UN-Beobachter haben das israelische Militär vor dem Einschlag der Geschosse über Stunden angefleht, das Feuer einzustellen. Ein Offizier hatte ihnen das sogar zugesagt.

Die vier UN-Beobachter im Südlibanon, die am Dienstag durch israelischen Beschuss getötet worden sind, haben die Israelis zuvor über Stunden beschworen, das Feuer einzustellen. Das bestätigten die Vereinten Nationen am Mittwoch offiziell in New York. Demnach gab es in den sechs Stunden vor dem tödlichen Einschlag am Abend 14 andere Explosionen im direkten Umfeld des UN-Postens.

Etwa zehn Mal kontaktierten die vier unbewaffneten UN-Beobachter den Angaben zufolge einen israelischen Verbindungsoffizier und baten ihn, sicherzustellen, dass sich dies nicht wiederholen würde. Doch obwohl der Offizier versprochen habe, die Bombardierung beenden zu lassen, sei sie weitergegangen. Ein Volltreffer habe das dreistöckige UN-Gebäude schließlich völlig zerstört. Ein Sprecher der israelischen Regierung, der im CNN-Fernsehen gefragt wurde, ob dies stimme, antwortete, er wisse es nicht.

Erklärung des Weltsicherheitsrats
Der Angriff auf den UN-Posten beschäftigt auch den Weltsicherheitsrat. Er will in New York möglichst noch an diesem Mittwoch eine Erklärung zu beschließen. Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton sagte nach Beratungen des Sicherheitsrates, die Erklärung werde den Beschuss bedauern. Außerdem werde der Sicherheitsrat seine Unterstützung für die von Israel angekündigte Untersuchung des Vorfalls aussprechen. Kritik an Israel ist demnach nicht geplant: «Wir müssen mit jeder Einordnung sehr vorsichtig sein, bis alle Fakten vorliegen», sagte Bolton. Geplant ist eine so genannte Präsidentenerklärung des Sicherheitsrats, die im Gegensatz zu Resolutionen nicht bindend sind.


Auf Äußerungen des UN-Generalsekretärs Kofi Annan angesprochen, wonach der Angriff «offenbar absichtlich» erfolgte, sagte Bolton, in der offiziellen Presseerklärung von Annans Sekretariat zu dem Vorfall werde dieser Vorwurf nicht mehr wiederholt. «Die Formulierung ist schon raus», sagte er.

Annan bleibt bei seinem Vorwurf
Annas Sekretariat widerspricht dieser Darstellung. Der Generalsekretär stehe weiter zu seinem Vorwurf, dass der Angriff auf den UN-Posten «offenbar absichtlich» geschehen sei, sagte seine Sprecherin am Mittwoch in New York. Auf die Frage eines Journalisten, welches Motiv die israelische Regierung für einen vorsätzlichen Beschuss von UN-Soldaten haben könnte, sagte die Sprecherin: «Ich kann nicht über Israels Motive spekulieren.»

Annan habe mittlerweile mit dem israelischen Regierungschef Ehud Olmert telefoniert, und dieser habe sein «tiefes Bedauern» über den Vorfall zum Ausdruck gebracht. Olmert habe betont, dass es sich dabei auf jeden Fall um einen versehentlichen «Fehler» gehandelt habe. «Wir akzeptieren das», sagte die Sprecherin.

Die Fortsetzung der israelischen Offensive hat der Vorfall indes nicht in Frage gestellt. Israel will die Angriffe im Libanon voraussichtlich noch mehrere Wochen fortsetzen. Das kündigte der Befehlshaber des israelischen Nordkommandos, Generalmajor Udi Adam, am Mittwoch an. «Ich gehe davon aus, dass es noch mehrere Wochen weiter gehen wird und dass wir in einigen Wochen einen Sieg verkünden können», sagte er auf einer Pressekonferenz in Jerusalem.(nz)