Waffenruhe auf Nahost-Konferenz gefordert
26.07.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Mit Blick auf die Bedrohung Israels durch Hisbollah-Raketen im Südlibanon meinte US-Außenministerin Condoleezza Rice, eine Rückkehr zur Situation vor der Eskalation könne nicht akzeptiert werden. «Im Libanon können wir nicht mehr zurück». Die libanesische Regierung müsse in die Lage versetzt werden, ihren Einfluss über das gesamte Staatsgebiet auszudehnen. Also auch über die Süd-Gebiete, von denen aus die schiitische Hisbollah sich seit zwei Wochen Gefechte mit der israelischen Armee liefert.
Eine solche Truppe im Libanon bezeichnete Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) als ein wichtiges Element für eine dauerhafte politische Lösung. «Sie wird dann Erfolg haben können, wenn sie von den Staaten der Region akzeptiert wird und ihr Mandat klar und vor allem umsetzbar ist.»
Außerdem solle das Internationale Komitee vom Roten Kreuz einen Gefangenenaustausch zwischen Israel und dem Libanon überwachen, sagte Siniora. Die israelische Armee solle sich hinter die so genannte blaue Linie zurückziehen, forderte der Premier. Diese Grenze war nach dem Rückzug der israelischen Armee aus dem Südlibanon im Mai 2000 von der Uno als Grenze festgelegt worden.
Siniora beklagte Untätigkeit anderer, einflussreicher Staaten: «Kann die internationale Gemeinschaft weiter nicht reagieren, während der israelische Staat uns auf so gefühllose Art solches Leid zufügt?», fragte Siniora die Konferenzteilnehmer. Israel müsse für die Verletzung des internationalen Rechts «bezahlen» und das libanesische Volk für die Zerstörungen «entschädigen», hatte der Regierungschef zuvor im internen Kreis verlangt.
UN-Generalsekretär Annan hatte abermals einen sofortigen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz verlangt. «Ich rufe die Hisbollah dazu auf, ihre gezielten Angriffe auf Bevölkerungszentren in Israel zu beenden. Und ich rufe Israel dazu auf, die Bombardierungen, Blockaden und Bodeneinsätze zu stoppen.» Annan forderte zudem, Syrien und Iran in die Lösung der Krise einzubeziehen.
Neben einer Feuerpause bildete die Friedenstruppe an der libanesisch-israelischen Grenze einen Hauptpunkt der Tagesordnung. Wie die Nachrichtenagentur AP in Brüssel erfuhr, wollte sich EU-Chefdiplomat Javier Solana für eine schnelle Eingreiftruppe im Südlibanon aussprechen. Daran beteiligen sollten sich in erster Linie französische, deutsche und spanische Soldaten, außerdem Truppen aus den Niederlanden, Kanada und arabischen Staaten. Frankreich nannte als Voraussetzung für die Entsendung von Truppen eine politische Einigung darüber und kündigte an, im UN-Sicherheitsrat einen Stabilisierungsplan vorzulegen.
Italiens Außenminister D'Alema rief zu einer internationalen Geberkonferenz zum Wiederaufbau des Libanons auf, wie sein Sprecher mitteilte. Wie seine britische Amtskollegin Margaret Beckett sagte, sollte auf der Konferenz auch das Schicksal der mehreren hunderttausend Flüchtlinge im Libanon zur Sprache kommen. (nz)

