Verfassungsschutz warnt vor Hisbollah-Tätern
Mit der bisherigen Form seines Engagements im Nahost-Konflikt wird Deutschland nach Ansicht von Verfassungsschützern von Terror-Anschlägen verschont bleiben. «Solange Deutschland in der Vermittlerrolle ist, haben wir eine relativ komfortable und sichere Situation», sagte die Sprecherin des Verfassungsschutzes in Nordrhein-Westfalen, Dagmar Pelzer, der Netzeitung.
Auch Hamburgs Verfassungsschutz- Präsident Heino Vahldiek hält erhöhte Aufmerksamkeit für geboten: «Ob die Situation im Nahen Osten hiesige Hisbollah-Anhänger dazu bringt, die Unterstützung ihrer Glaubensbrüder im Libanon zu verstärken, muss man im Blick behalten», sagte Vahldiek der Netzeitung.
Auch im Südwesten Deutschlands ist die Behörde sensibilisiert: «Wir sind besonders aufmerksam und versuchen unsere Kanäle zu nutzen und die Bewegung der Communities mitzubekommen», sagt Herbert Müller, Leiter der Kompetenzgruppe Islamismus beim Verfassungsschutz Baden-Württemberg.
Es gebe zwar keine Erkenntnisse über Aktivitäten oder Kampagnen, die auf eine Radikalisierung im Zusammenhang mit der Nahost-Krise hindeuten, heißt es. Doch die Verfassungsschützer wollen sicher gehen: «Es ist nicht auszuschließen, dass es irrational agierende Einzeltäter gibt, die entgegen israelischer Interessen handeln», sagt Pelzer. «Die Empörung der Hisbollah-Anhänger über Israel und die USA scheint zu steigen», hat Müller beobachtet. Auch Hamburgs Behördenchef Vahldiek hält im Gespräch mit der Netzeitung «Aktionen emotionalisierter Einzelpersonen» für möglich.
Zuletzt demonstrierten am Montagnachmittag in Saarbrücken mehrere Hundert Hisbollah-Anhänger. Die Antifa Saar berichtete, Teilnehmer des Umzuges hätten «in Lynchstimmung» auf Gegendemonstranten eingeprügelt, die sich mit Israel solidarisch zeigten. Das scheint die Verfassungsschützer bereits zu bestätigen, die vor der Emotionalisierung warnen: «Es ist nicht auszuschließen, dass es einzelne Personen gibt, da unplanmäßig agieren und sich zu spontanen Gewalttaten hinreißen lassen», sagt Pelzer. Müller mahnt angesichts des Nahost-Konfliktes zu unemotionaler Beobachtung und warnt vor Aktionismus: «Man darf nichts unterschätzen, aber auch nichts aufblasen, Eine Sonderkommission Hisbollah ins Leben zu rufen, halte ich für Unfug».

