Widerstand gegen Fischer als Nahost-Vermittler
Der Unions-Außenpolitiker im Bundestag, Eckart von Klaeden (CDU), lehnt einen Vermittler derzeit ab. «Ich glaube, dass es zu früh ist, über Personen zu entscheiden, bevor überhaupt klar ist, zwischen wem vermittelt werden soll», sagte von Klaeden der Netzeitung. Israel werde von Terrororganisationen angegriffen, es fehle an geeigneten Ansprechpartnern. «Ich sehe auf palästinensischer oder libanesischer Seite niemanden, der die Autorität hat, auf die Terrororganisationen einzuwirken», so der Außenpolitiker.
Um den Konflikt zu schlichten, müsse die internationale Gemeinschaft ihr Gewicht «als Ganzes glaubhaft einbringen», führte Europa-Politiker Brok an. Nur so werde den Konfliktpartnern klar, «dass hinter möglichen Vereinbarungen die politische Durchsetzungskraft der ganzen internationalen Gemeinschaft steht.» Er fordere «ein gemeinsames Engagement des Nahost-Quartetts vor Ort».
Noch wehrt sich Israel jedoch politisch gegen eine UN-Mission. Außenpolitiker Brok rechnet aber mit einem Einlenken der Regierung. «Ich glaube, dass sie bald internationale Versuche unterstützen wird, Sicherheit neu zu garantieren», sagte Brok. Er setze auf einen Erkenntnisprozess in der Regierung von Premier Ehud Olmert. Die israelischen Militäreinsätze seien von «offensichtlich begrenzter Effektivität». Auch Linkspartei-Außenpolitiker Paech hält es für «sinnvoll, UN-Truppen zu stationieren, um Israel und Libanon voneinander zu trennen». Den Widerstand Israels gegen UN-Truppen zu brechen, «wäre Aufgabe eines Vermittlers», sagte Paech. Vermitteln müsse ein Vertreter eines Landes, das Israel «nicht im historischen Kontext verhaftet ist».
Unions-Außenpolitiker von Klaeden zeigt hinsichtlich einer möglichen Blauhelmmission skeptisch. «Es müsste geklärt werden, was aus dem Mandat der im Libanon stationierten Blauhelme wird.» Problematisch seien etwa die Verflechtung von Hisbollah und dem libanesischen Staat sowie die massive Aufrüstung der Hisbollah durch den Iran, während die UN- Resolution 1559 die Entwaffnung und Auflösung der Hisbollah vorsehe. «Solange nicht klar ist, was eine internationale Truppe zur Durchsetzung der bisherigen UN-Resolution tun kann der soll, ist es nicht sinnvoll, über eine solche Mission zu reden».
Der britische Premier Tony Blair hatte sich bereits am Montag für eine Stationierung internationaler Truppen ausgesprochen. Der russische Präsident Wladimir Putin betonte, «Russland beteiligt sich ständig an Friedensmissionen, und wir werden uns auch in Zukunft nicht weigern, daran teilzunehmen.» Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi kündigte an, dass sein Land sich in «erheblichem Maße» an einer Friedenstruppe beteiligen würde.
Israel bombardierte als Reaktion auf die Entführung zweier Armeeangehöriger seit der vergangenen Woche Ziele im Libanon. Die radikal-islamische Organisation Hisbollah feuert ihrerseits aus dem Süden des Landes Raketen nach Israel. Die Eskalation der Gewalt nährt Sorgen über einen offenen Krieg im Nahen Osten.
In der Nacht zum Dienstag sind bei israelischen Luftangriffen im Libanon erneut mindestens 16 Menschen getötet worden. In einer Kaserne kamen elf Soldaten ums Leben, 35 wurden verletzt. Augenzeugen zufolge starben mindestens fünf Menschen, als ein Haus in der Ortschaft Aitarun nahe der israelischen Grenze getroffen wurde.
Für das Web ediert von Tilman Steffen

