netzeitung.deTote bei Feuer auf Fliehende in Libanon

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Israelisches Militär sichtet Schäden an einem Haus (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Israelisches Militär sichtet Schäden an einem Haus
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Raketenfeuer zerstört einen Kleinbus - Unter Israels Militäraktionen im Libanon leidet auch die Bevölkerung. Europäische Staaten bereiten Rückholaktionen vor.

Die Militäraktionen zwischen Israel und dem Libanon gehen auch zu Lasten der Bürger. Bei einem israelischen Angriff auf fliehende Dorfbewohner im Südlibanon starben am Samstag mindestens 15 Menschen. Die Toten wurden in zwei zerstörten Fahrzeugen und einer Schlucht in der Nähe des Grenzorts Marwahin entdeckt.

Eine Bestätigung der israelischen Streitkräfte für einen Angriff in der Gegend gab es nicht. Israelische Soldaten hatten die Bewohner von Marwahin am Morgen aufgefordert, ihre Häuser bis 18 Uhr Ortszeit zu verlassen. Andernfalls werde das Dorf zerstört.

Israelische Kampfjets bombardierten am Samstag zahlreiche Ziele im Libanon, darunter Brücken, Straßen und Dörfer und das schiitische Viertel in Süd-Beirut. Die Stadt sei größtenteils menschenleer, wie ein ZDF-Korrespondent berichtete. Bei einem israelischen Luftangriff auf die Schnellstraße von Beirut nach Damaskus wurden laut libanesischer Sicherheitskräfte drei weitere Zivilisten getötet.

Auch die wichtigste libanesische Grenzstation an der Grenze zu Syrien wurde mit Luft-Boden-Raketen beschossen. Am Abend wurden auch Angriffe im Norden des Landes bekannt. Augenzeugen berichteten, auch die Hafenregion der nordlibanesischen Stadt Tripolis sei angegriffen worden. Auch das Hauptquartier der Hisbollah in Beirut wurde zerstört.

Mehr als Hundert tote Libanesen
Die israelische Kriegsmarine suchte derweil nach drei Soldaten, die als vermisst gelten, nachdem eine von der radikal-islamischen Hisbollah-Bewegung abgeschossene Rakete am Freitagabend ein vor der libanesischen Küste liegendes israelisches Schiff in Brand geschossen hatte. Die Leiche eines vierten Soldaten konnte sie bergen.

Die Hisbollah griff Israel erneut mit Raketen an, Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah erklärte den «offenen Krieg». Die Zahl der seit Beginn der israelischen Militäroffensive am Mittwoch getöteten Libanesen stieg laut Polizei auf 106.

Rückholaktionen
Auf israelischer Seite starben bislang mindestens vier Zivilisten und elf Soldaten. Bei einem Angriff auf ein israelisches Kriegsschiff starb am Freitagabend mindestens ein israelischer Soldat, drei weitere wurden laut offizieller Darstellung vermisst.

Mehrere Staaten bereiteten Rückholaktionen für ihre Staatsbürger aus dem Libanon vor. Rund 100 Deutsche reisten seit Freitag in Konvois ins benachbarte Syrien. Das teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. Insgesamt leben im Libanon rund 1100 deutsche Staatsbürger, davon haben etwa die Hälfte die doppelte Staatsbürgerschaft.

Der Konflikt war auch Thema beim G8-Gipfel der sieben führenden Industrienationen und Russlands in St. Petersburg. US-Präsident George W. Bush gab der Hisbollah die alleinige Verantwortung für den Ausbruch der Gewalt. «Die Gewalt kann am besten gestoppt werden, indem die Hisbollah ihre Waffen niederlegt und ihre Angriffe stoppt», sagte er. Russlands Präsident Wladimir Putin ließ dagegen durchblicken, dass er auch das Vorgehen Israels kritisch sieht. (nz)