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Israel verteidigt Angriffe: Libanon «Nutznießer»

14. Jul 2006 18:12, ergänzt 20:25
Israelischer UN-Botschafter Dan Gillerman im Weltsicherheitsrat
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Ungeachtet der internationalen Appelle zur Mäßigung haben Israel und die libanesische Hisbollah-Miliz ihre Angriffe fortgesetzt. Der Weltsicherheitsrat befasste sich in einer Dringlichkeitssitzung mit dem Konflikt.

In einer Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrates hat Israel am Freitag sein militärisches Vorgehen im Libanon verteidigt. Israels UN-Botschafter Dan Gillerman sagte in der offenen Debatte an seinen libanesischen Amtskollegen Nouhad Mahmoud gerichtet: «Sie wissen, dass wir (Israel) richtig handeln. Wenn wir siegen, wird Libanon am Ende der Nutznießer sein.» Beirut hatte die Sitzung am Donnerstag wegen der israelischen Luftangriffe beantragt.

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Dagegen rief Mahmoud den Sicherheitsrat und die internationale Gemeinschaft auf, Israel zu einem Stopp seiner Angriffe zu bewegen. Die Luftangriffe seien eine «barbarische Agression». Es sei gerade ein Jahr her, dass das Land beginnen konnte, seine Infrastruktur und Institutionen nach Jahrzehnten syrischer Besetzung wieder aufzubauen. «Israels Aggression bremst den Prozess der Demokratisierung und untergräbt unsere Souveränität», sagte der libanesische UN-Botschafter.

Besorgnis vor weiterer Eskalation

Ungeachtet dessen setzten Israel und die libanesische Hisbollah-Miliz ihre Angriffe am Freitag fort. Bei neuen israelischen Luftangriffen auf Ziele im Libanon kamen nach Polizeiangaben mindestens fünf Menschen ums Leben, 65 weitere wurden verletzt. Milizionäre der radikal-schiitischen Hisbollah feuerten wiederum zahlreiche Katjuscha-Raketen auf den Norden Israels ab. International wuchs die Besorgnis vor einer weiteren Eskalation des Konflikts.

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  • Droht ein neuer Krieg in Nahost?
  • Die offene Debatte endete nicht wie von Beirut gewünscht mit einer Resolution oder formalen Erklärung, sondern lediglich mit einer formlosen Pressemitteilung. Darin begrüßt das höchste UN-Gremium die Entsendung eines Vermittlerteams nach Nahost.

    Innerhalb von 24 Stunden flogen israelische Flugzeuge fünf Angriffe auf den internationalen Flughafens von Beirut. Dabei wurden die Landebahnen, ein Treibstofftank und ein Hangar getroffen. Auch die südlichen schiitischen Vorstädte von Beirut waren Ziel der israelischen Luftangriffe sowie ein Lager einer radikalen Palästinensergruppe im Osten des Landes. Seit dem Vortag wurde im Libanon wichtige Infrastruktur beschädigt, darunter die Schnellstraße nach Damaskus, zwei Elektrizitätswerke und mehrere Brücken.

    USA: Zurückhaltung «extrem wichtig»

    Hisbollah-Milizionäre schossen erneut Katjuscha-Raketen und Mörsergranaten auf nordisraelische Ortschaften ab. Dabei wurden Dutzende Menschen überwiegend leicht verletzt. Nach israelischen Militärangaben gingen seit Beginn der Feindseligkeiten an der israelisch-libanesischen Grenze vor zwei Tagen mindestens 700 Geschosse auf israelischem Gebiet nieder. Am Donnerstag waren zwei israelische Zivilisten getötet worden. Sogar die Hafenstadt Haifa war unter Raketenbeschuss geraten.

    Die USA riefen Israel zur Zurückhaltung auf. Dies sei «extrem wichtig», Opfer unter der Zivilbevölkerung und die Zerstörung von Infrastruktureinrichtungen im Libanon müssten vermieden werden, sagte Außenministerin Condoleezza Rice. Gleichzeitig beschuldigte sie Syrien und den Iran, durch Unterstützung der radikalislamischen Hisbollah die Gewalt zu fördern.

    Geschlossene Haltung gefordert

    Die Bundesregierung ist weiterhin besorgt über die sich zuspitzende Lage und setzt nach Angaben aus Regierungskreisen beim bevorstehenden Weltwirtschaftsgipfel in St. Petersburg auf eine geschlossene Haltung der G8-Staaten zur eskalierenden Entwicklung in Nahost. Außenminister Frank-Walter Steinmeier warnte im Deutschlandradio Kultur vor einer vorschnellen Bewertung der Situation.

    Für die EU-Ratspräsidentschaft bekräftigte der finnische Außenminister Erkki Tuomioja die Kritik an den israelischen Angriffen. Er verwies aber auch auf das legitime Recht Israels auf Selbstverteidigung. Der französische Präsident Jacques Chirac bezeichnete die Lage als «wirklich gefährlich». Der britische Premierminister Tony Blair bezeichnete die Entwicklung als «absolut tragisch» für alle betroffenen Menschen. Der russische Präsident Wladimir Putin rief zu einem sofortigen Ende des Blutvergießens auf. Der Vatikan verurteilte das militärische Vorgehen Israels im Libanon.

    Zentralrat verteidigt Israel

    Israel macht die Regierung in Beirut für einen Überfall der Hisbollah verantwortlich, bei dem am Mittwoch zwei israelische Soldaten entführt und acht weitere getötet worden waren. Die von Syrien und Iran unterstützte Schiiten-Organisation ist mit zwei Ministern an der libanesischen Regierung beteiligt. Ihr Führer Scheich Hassan Nasrallah verlangt im Austausch gegen die verschleppten Soldaten die Freilassung von Häftlingen aus israelischen Gefängnissen. Der israelische Innenminister Ronni Bar-On drohte unterdessen Nasrallah mit gezielter Tötung.

    Der Zentralrat der Juden in Deutschland warnte vor einer einseitigen Kritik am militärischen Vorgehen Israels. «Die Verantwortung für die aktuelle Situation trägt nicht Israel, sondern die libanesische Regierung, die seit Jahren nicht ihrer Verpflichtung nachkommt, die terroristische Hisbollah aufzulösen», erklärte die Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, in Berlin.

    1000 deutsche Staatsbürger im Libanon

    Der Beiruter Flughafen und die Straße nach Damaskus blieben am Freitag weiterhin geschlossen. Bis Donnerstagabend hatten nach Angaben des Zolls mindestens 15.000 Touristen das Land verlassen. Seit Beginn der Kämpfe am Mittwoch ist die Zahl der Todesopfer auf mehr als 60 gestiegen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes halten sich derzeit etwa 1000 deutsche Staatsbürger im Libanon auf, die Hälfte von ihnen mit libanesischen Wurzeln. Das Ministerium riet dringend von Reisen in den Libanon ab.

    Israel zog indessen in der Nacht zum Freitag seine Truppen aus dem Gazastreifen wieder teilweise zurück. Eine Armeesprecherin bestätigte, die Soldaten seien aus dem mittleren Teil des autonomen Palästinenser-Gebiets abgezogen. Sie waren dort vor zwei Tagen als Teil der Militäroffensive «Sommerregen» eingedrungen. Die Aktion folgte auf die Entführung eines israelischen Soldaten durch militante Palästinenser am 25. Juni und soll auch den andauernden Raketenbeschuss israelischer Grenzorte unterbinden. (nz)

     
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