netzeitung.de«Nahost-Konflikt gerät aus den Fugen»

 Herausgeber: netzeitung.de

Krater nach einem israelischen Bombenangriff in einem Vorort von Beirut (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Krater nach einem israelischen Bombenangriff in einem Vorort von Beirut
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Nahost-Konflikt droht nach der jüngsten Eskalation ein bislang nie da gewesenes Ausmaß anzunehmen, fürchtet die internationale Presse. Nicht nur Israel, auch die Staatengemeinschaft mache einen geschwächten Eindruck. .zwischentitel { font: bold 11px verdana, arial, helvetica, sans-serif; display: block; padding: 1px 3px 1px 3px; } «Daily Telegraph»: Uno muss Libanon-Resolution durchsetzen Die konservative britische Zeitung «The Daily Telegraph»: Die Welt hat beide Seiten zur Zurückhaltung aufgerufen. Doch sie sollte über Worte hinausgehen und entscheiden, was getan werden muss, um die Resolution (Nr. 1559 des UN-Sicherheitsrates) von 2004 vollständig zu verwirklichen. Ein wichtige Ursache der Instabilität im Nahen Osten ist die Tatsache, dass der Libanon seine Souveränität noch nicht vollkommen erreicht hat. Dies wird dadurch symbolisiert, dass die Amtszeit seines pro-syrischen Präsidenten bis zum nächsten Jahr ausgedehnt wurde. Die Missachtung der Resolution 1559 durch die Hisbollah sollte im Zentrum der Aufmerksamkeit des UN-Sicherheitsrates und des Teams stehen, das UN-Generalsekretär Kofi Annan in die Region entsenden will. «Le Monde»: USA und Europa in der Sackgasse Die französische Tageszeitung «Le Monde»: Freuen über diese Eskalation können sich Hamas und Hisbollah, aber auch Teheran und Damaskus, ihre treuen Unterstützer. So treten der israelisch-palästinensische und der israelisch-libanesische Konflikt zu dem Krieg im Irak und zu der Krise um das iranische Atomprogramm und verstärken damit das Gefühl, es herrsche Chaos. Das kann nur den Diktaturen nutzen, den Islamisten und allen Anhängern des Rechts des Stärkeren. Angesichts dieses kriegerischen Verlaufs scheint die internationale Gemeinschaft in die Enge getrieben zu sein. Es sieht so aus, als höre sie nicht die Aufrufe der für einen Dialog eintretenden Palästinenser und Libanesen sowie der geschundenen Bevölkerung nach einem entschlossenen diplomatischen Handeln. Amerikaner und Europäer vermitteln das Gefühl, ratlos in einer Sackgasse zu stecken, müssen aber handeln, bevor der Konflikt an zwei Fronten in einen unkontrollierbaren Kriegsverlauf einmündet. «La Repubblica»: Konflikt gerät aus den Fugen Die römische Zeitung «La Repubblica»: Der chronische israelisch-palästinensische Konflikt hat die Dämme gebrochen, ist wie ein alter, wild gewordener Fluss aus seinem normalen Verlauf ausgebrochen, und ergießt sich nunmehr in den gesamten Nahen Osten. Das ist zwar in den vergangenen 60 Jahren punktuell immer wieder geschehen, dass die Konfrontation der beiden Völker, die für sich jeweils dasselbe Gebiet beanspruchen, zu einem regionalen Konflikte wurde, mit jeweils starkem internationalen Nachhall aus zumeist historischen und religiösen Ursachen sowie aus strategischen und ökonomischen Gründen. Fünf klassische Kriege, die internen Aufstände gar nicht mitgezählt, sind im Geschichtsbuch des vergangenen Jahrhunderts in der Region verzeichnet. Aber diesmal ist in diesem unlösbaren israelisch-palästinensischen Konflikt eine ganz besonders Besorgnis erregende Situation entstanden. «Dagens Nyheter»: Israel trägt Hauptschuld Die liberale schwedische Tageszeitung «Dagens Nyheter»: Israel trägt die Hauptverantwortung für die Entwicklung der letzten Wochen. Es war einerseits falsch, als palästinensische Terroristen einen israelischen Soldaten entführten. Aber andererseits war viel schlimmer, dass Israel darauf eine umfassende Militäroperation in Gaza eingeleitet hat. Als libanesische Hisbollah-Guerillas zwei israelische Soldaten gefangen nahmen, war das eine Untat. Aber Israels Einmarsch im Libanon war auf der anderen Seite eine wesentlich ernstere Maßnahme. Israel ist ganz einfach zu weit gegangen. (...) Aber die berechtigte Kritik an Israel muss auch eine breitere Sicht auf Sicherheit und Stabilität in der Region beinhalten. (...) Der eigentliche Adressat der Aktionen gegen Hamas und Hisbollah ist der Iran. Das Regime dort leugnet weiter die Existenzberechtigung Israels. «Nepszabadsag»: Geschichte lehrt Pessimismus Die links-liberale ungarische Tageszeitung «Nepszabadsag»: Nun fehlt gerade noch, dass sie (die Israelis) auch gegen Syrien vorgehen, zumal der tatsächliche Führer der Hamas, Chaled Maschaal, in Damaskus sitzt, und zumal die Hisbollah den syrischen Einfluss im Libanon sichert, seit Syrien dort zum Truppenrückzug gezwungen wurde. (...) Dort braut sich eine Frage zusammen: Die Israelis hatten 1982 die Palästinenser aus dem Libanon hinausgeprügelt, doch hatte dies, wenn man den jetzigen Stand der Dinge betrachtet, nur einen geringen historischen Nutzen. Was würde nun aber dabei herauskommen, wenn sie auch die Hisbollah ausmerzen und deren syrische Wurzeln abschneiden würden - zum Preis eines totalen Krieges? Leider lehrt die Geschichte Pessimismus. «La Libre Belgique»: Schüchterne Reaktionen aus dem Ausland Die belgische Zeitung «La Libre Belgique»: Die ersten internationalen Reaktionen sind einstweilen eher schüchtern. (...) Der G8-Gipfel in Sankt Petersburg, bei dem sich die Präsidenten (George W.) Bush und (Wladimir) Putin treffen, wäre gut beraten, eine klare Sprache gegenüber allen Krieg führenden Mächten zu sprechen: Heute kann alles, auch das Schlimmste, im Nahen Osten geschehen. Es droht eine höllische Eskalation! «De Morgen»: Olmert zeigt politische Schwäche Die flämische Zeitung «De Morgen»: Der israelische Premierminister Ehud Olmert begeht einen historischen Fehler, indem er die Lunte an diesem Pulverfass anzündet. Mit der plötzlichen militärischen Antwort auf die Provokationen von Hisbollah und Hamas zeigt er seine politische Schwäche. Trotzdem bleibt seine einzige Alternative ein dauerhafter Friedensvertrag mit den Palästinensern und den Nachbarländern. «Trouw»: Konflikt mit schwierigem Ausgang Die niederländische Zeitung «Trouw»: Israel droht sich in einen Konflikt hineinziehen zu lassen, aus dem es nur schwierig wieder herauskommen kann. Die Aktionen in Gaza dauern schon zwei Wochen, und auch das Ende der Operation im Libanon ist offen. Die Erfahrung lehrt außerdem, dass es nicht die terroristischen Bewegungen sind, die durch Israels Aktionen Unterstützung verlieren, sondern dass nur der Hass auf Israel zunimmt. Auf lange Sicht droht Israel viel zu verlieren. Das Land weiß sich durch Feinde umzingelt - nichts zu tun ist daher auch keine Möglichkeit. Aber Israel muss sich beschränken auf sehr gezielte Aktionen, die die Täter treffen und die Zivilbevölkerung unversehrt lassen. Sonst spielt es den Terroristen in die Hände. (nz)

«Daily Telegraph»: Uno muss Libanon-Resolution durchsetzen
Die konservative britische Zeitung «The Daily Telegraph»: Die Welt hat beide Seiten zur Zurückhaltung aufgerufen. Doch sie sollte über Worte hinausgehen und entscheiden, was getan werden muss, um die Resolution (Nr. 1559 des UN-Sicherheitsrates) von 2004 vollständig zu verwirklichen. Ein wichtige Ursache der Instabilität im Nahen Osten ist die Tatsache, dass der Libanon seine Souveränität noch nicht vollkommen erreicht hat. Dies wird dadurch symbolisiert, dass die Amtszeit seines pro-syrischen Präsidenten bis zum nächsten Jahr ausgedehnt wurde. Die Missachtung der Resolution 1559 durch die Hisbollah sollte im Zentrum der Aufmerksamkeit des UN-Sicherheitsrates und des Teams stehen, das UN-Generalsekretär Kofi Annan in die Region entsenden will.
«Le Monde»: USA und Europa in der Sackgasse
Die französische Tageszeitung «Le Monde»: Freuen über diese Eskalation können sich Hamas und Hisbollah, aber auch Teheran und Damaskus, ihre treuen Unterstützer. So treten der israelisch-palästinensische und der israelisch-libanesische Konflikt zu dem Krieg im Irak und zu der Krise um das iranische Atomprogramm und verstärken damit das Gefühl, es herrsche Chaos. Das kann nur den Diktaturen nutzen, den Islamisten und allen Anhängern des Rechts des Stärkeren.

Angesichts dieses kriegerischen Verlaufs scheint die internationale Gemeinschaft in die Enge getrieben zu sein. Es sieht so aus, als höre sie nicht die Aufrufe der für einen Dialog eintretenden Palästinenser und Libanesen sowie der geschundenen Bevölkerung nach einem entschlossenen diplomatischen Handeln. Amerikaner und Europäer vermitteln das Gefühl, ratlos in einer Sackgasse zu stecken, müssen aber handeln, bevor der Konflikt an zwei Fronten in einen unkontrollierbaren Kriegsverlauf einmündet.

«La Repubblica»: Konflikt gerät aus den Fugen
Die römische Zeitung «La Repubblica»: Der chronische israelisch-palästinensische Konflikt hat die Dämme gebrochen, ist wie ein alter, wild gewordener Fluss aus seinem normalen Verlauf ausgebrochen, und ergießt sich nunmehr in den gesamten Nahen Osten. Das ist zwar in den vergangenen 60 Jahren punktuell immer wieder geschehen, dass die Konfrontation der beiden Völker, die für sich jeweils dasselbe Gebiet beanspruchen, zu einem regionalen Konflikte wurde, mit jeweils starkem internationalen Nachhall aus zumeist historischen und religiösen Ursachen sowie aus strategischen und ökonomischen Gründen. Fünf klassische Kriege, die internen Aufstände gar nicht mitgezählt, sind im Geschichtsbuch des vergangenen Jahrhunderts in der Region verzeichnet. Aber diesmal ist in diesem unlösbaren israelisch-palästinensischen Konflikt eine ganz besonders Besorgnis erregende Situation entstanden.
«Dagens Nyheter»: Israel trägt Hauptschuld
Die liberale schwedische Tageszeitung «Dagens Nyheter»: Israel trägt die Hauptverantwortung für die Entwicklung der letzten Wochen. Es war einerseits falsch, als palästinensische Terroristen einen israelischen Soldaten entführten. Aber andererseits war viel schlimmer, dass Israel darauf eine umfassende Militäroperation in Gaza eingeleitet hat. Als libanesische Hisbollah-Guerillas zwei israelische Soldaten gefangen nahmen, war das eine Untat. Aber Israels Einmarsch im Libanon war auf der anderen Seite eine wesentlich ernstere Maßnahme. Israel ist ganz einfach zu weit gegangen. (...) Aber die berechtigte Kritik an Israel muss auch eine breitere Sicht auf Sicherheit und Stabilität in der Region beinhalten. (...) Der eigentliche Adressat der Aktionen gegen Hamas und Hisbollah ist der Iran. Das Regime dort leugnet weiter die Existenzberechtigung Israels.
«Nepszabadsag»: Geschichte lehrt Pessimismus
Die links-liberale ungarische Tageszeitung «Nepszabadsag»: Nun fehlt gerade noch, dass sie (die Israelis) auch gegen Syrien vorgehen, zumal der tatsächliche Führer der Hamas, Chaled Maschaal, in Damaskus sitzt, und zumal die Hisbollah den syrischen Einfluss im Libanon sichert, seit Syrien dort zum Truppenrückzug gezwungen wurde. (...) Dort braut sich eine Frage zusammen: Die Israelis hatten 1982 die Palästinenser aus dem Libanon hinausgeprügelt, doch hatte dies, wenn man den jetzigen Stand der Dinge betrachtet, nur einen geringen historischen Nutzen. Was würde nun aber dabei herauskommen, wenn sie auch die Hisbollah ausmerzen und deren syrische Wurzeln abschneiden würden - zum Preis eines totalen Krieges? Leider lehrt die Geschichte Pessimismus.
«La Libre Belgique»: Schüchterne Reaktionen aus dem Ausland
Die belgische Zeitung «La Libre Belgique»: Die ersten internationalen Reaktionen sind einstweilen eher schüchtern. (...) Der G8-Gipfel in Sankt Petersburg, bei dem sich die Präsidenten (George W.) Bush und (Wladimir) Putin treffen, wäre gut beraten, eine klare Sprache gegenüber allen Krieg führenden Mächten zu sprechen: Heute kann alles, auch das Schlimmste, im Nahen Osten geschehen. Es droht eine höllische Eskalation!
«De Morgen»: Olmert zeigt politische Schwäche
Die flämische Zeitung «De Morgen»: Der israelische Premierminister Ehud Olmert begeht einen historischen Fehler, indem er die Lunte an diesem Pulverfass anzündet. Mit der plötzlichen militärischen Antwort auf die Provokationen von Hisbollah und Hamas zeigt er seine politische Schwäche. Trotzdem bleibt seine einzige Alternative ein dauerhafter Friedensvertrag mit den Palästinensern und den Nachbarländern.
«Trouw»: Konflikt mit schwierigem Ausgang
Die niederländische Zeitung «Trouw»: Israel droht sich in einen Konflikt hineinziehen zu lassen, aus dem es nur schwierig wieder herauskommen kann. Die Aktionen in Gaza dauern schon zwei Wochen, und auch das Ende der Operation im Libanon ist offen. Die Erfahrung lehrt außerdem, dass es nicht die terroristischen Bewegungen sind, die durch Israels Aktionen Unterstützung verlieren, sondern dass nur der Hass auf Israel zunimmt. Auf lange Sicht droht Israel viel zu verlieren. Das Land weiß sich durch Feinde umzingelt - nichts zu tun ist daher auch keine Möglichkeit. Aber Israel muss sich beschränken auf sehr gezielte Aktionen, die die Täter treffen und die Zivilbevölkerung unversehrt lassen. Sonst spielt es den Terroristen in die Hände. (nz)