netzeitung.deExperten rechnen mit Spätfolgen für Scharon

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Krankenhaus in Jerusalem (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Krankenhaus in Jerusalem
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Scharon wird sich von seinem zweiten Schlaganfall vermutlich nicht mehr völlig erholen. Seine Ärzte befürchten langfristige Lähmungen. Thema: Sorge um Scharon Israel rechnet mit Ende der Ära Scharon Reportage: Hoffen auf positive Nachrichten Verunsicherung an Tel Aviver Börse Porträt: Olmert, Scharons Vertrauter und Vorreiter Porträt: Scharon, der kranke «Bulldozer» Israel im Schockzustand Sorge um Scharon bei Verbündeten und Gegnern Umfrage: Wähler bleiben Scharons Partei treu

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon wird nach Mitteilung seiner Ärzte nach seiner Hirnblutung noch bis zu 72 Stunden künstlich beatmet und in Narkose bleiben. Damit solle der Druck in seinem Schädel gesenkt werden, sagte Dr. Schlomo Mor-Josef in Jerusalem. Mor-Josef, der Direktor des Hadassah-Krankenhauses, teilte weiter mit, dass Scharons Pupillen auf Reize reagieren. Scharons Situation sei unverändert erst, aber stabil. Die medizinischen Werte Scharons seien wie nach einer solchen Operation zu erwarten.

Den Angaben zufolge traf der Schlag Scharons rechte Gehirnhälfte, wofür es Fachleuten zufolge etwas bessere Genesungsaussichten als bei einem Schlag in der linken Hälfte gibt. Sollte Scharon die nächsten Tage überstehen, sei aber mit Spätfolgen zu rechnen. Bei 90 Prozent der Menschen befindet sich in der linken Gehirnhälfte das Sprachzentrum. Der New Yorker Schlaganfall-Experte Keith Stiller sagte, ein schwerer Schlaganfall in der rechten Gehirnhälfte werde Scharon wahrscheinlich lähmen.

Debatte um Mitschuld der Ärzte
Mor-Josef verteidigte die ärztliche Entscheidung, den 77-Jährigen nach einem ersten Schlaganfall am 18. Dezember mit Blutverdünnungsmitteln zu behandeln. Einige Experten hatten kritisiert, diese Mittel hätten zur Schwere der Hirnblutung bei Scharon beigetragen. Mor-Josef sagte dazu, Scharon habe die richtige Dosis dieser Medikamente erhalten.
Zweifel an Olmerts Charisma
Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, glaubt nicht daran, dass Israels vorläufiger Ministerpräsident Ehud Olmert ein vollwertiger Ersatz für den schwerkranken Premier Ariel Scharon ist. «Olmert ist kein Scharon, er hat nicht sein Ansehen, seine Anziehungskraft», sagte Primor der Zeitung «Financial Times Deutschland».

Scharon hatte am Mittwoch einen schweren Schlaganfall mit Hirnblutungen erlitten und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Bei einer stundenlangen Operation wurde ihm das Blut aus dem Hirn gesaugt. Eine vollständige Genesung sei unwahrscheinlich, sagten die Ärzte.

Ehud Olmert ist der Stellvertreter Scharons und nach dessen Schlaganfall vorläufig Premier des Landes. Er hatte in der Vergangenheit oft die Vorreiterrolle für die politischen Pläne Scharons übernommen. Beispielsweise sprach sich Olmert als Erster für einen Abzug aus dem Gazastreifen aus. Ihm fehlt aber laut vielen politischen Beobachtern das nötige Charisma.

Probleme für Kadima
Daher zweifelt Primor daran, dass Scharons neue Partei Kadima die Parlmentswahl im März gewinnen kann. Bisher hatten Umfragen einen Wahlsieg der Kadima vorausgesagt. Nach Scharons Schlaganfall werden dem Ex-Botschafter zufolge viele Wähler ihre Stimme statt Scharons neuer Partei ihrem alten politischen Lager geben. «Das kann der Likud oder die Arbeitspartei sein, aber auch kleine Gruppen wie Meretz und Shinui», sagte er. Dennoch werde Kadima wahrscheinlich genug Stimmen bekommen, um zumindest als Koalitionspartner attraktiv zu sein.

Generalstaatsanwalt Meni Masus teilte mit, dass die für den 28. März angesetzte israelische Parlamentswahl nicht verschoben werde. Einer in der israelischen Zeitung «Haaretz» veröffentlichten Umfrage zufolge kann Scharons Partei Kadima auch mit Olmert an der Spitze mit rund einem Drittel der Sitze in der Knesset rechnen.

Den Friedensprozess mit den Palästinensern sieht der frühere Diplomat Primor nicht in Gefahr, selbst wenn Scharon endgültig abtreten sollte. Scharon habe zwar weitere Abzüge aus den besetzen Gebieten im Westjordanland geplant, «aber die Umstände hätten die Palästinenser nie akzeptiert».

Scharon habe ihnen nur Teile des Westjordanlands und einen «Staat mit begrenzter Souveränität» geben wollen. Das hätte er aber nur einseitig durchsetzen können und unter dem Vorwand, dass es keinen glaubwürdigen Gesprächspartner gibt. (nz)