Siedler-Proteste im Gazastreifen eskalieren
29.06.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Mit Hausbesetzungen und Straßenblockaden haben jüdische Siedler gegen den von Scharon beschlossenen Abzug aus dem Gazastreifen protestiert. Israels Premier droht aufsässigen Rabbinern Strafen an.
Die Proteste von Gegnern des israelischen Abzugs aus dem Gazastreifen spitzen sich zu. Israelische Soldaten vertrieben am Mittwochabend dutzende Extremisten aus einem besetzten palästinensischen Haus am Rande der jüdischen Siedlung Schirat Hajam. Es gab mehrere Festnahmen. Andere Siedler blockierten die Schnellstraße zwischen Jerusalem und Tel Aviv. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon drohte, die Sicherheitskräfte würden mit eiserner Faust gegen Extremisten vorgehen.
Die israelischen Jugendlichen hatten das von Palästinensern geräumte Haus vor ihrer Siedlung am Montag besetzt, nachdem die Streitkräfte rund ein Dutzend Gebäude im Umkreis niedergerissen hatten. Rund 20 der jungen Siedler lieferten sich am Mittwoch eine Schlägerei mit Soldaten und griffen auch palästinensische Anrainer an. Mindestens drei Menschen wurden bei den Ausschreitungen verletzt.
Gegner des Abzugs aus dem Gazastreifen blockierten am Mittwoch auch mehrmals die wichtigste Zufahrt nach Jerusalem sowie nach Tel Aviv. Mehrere Dutzend israelische Kinder und Jugendliche veranstalteten während des abendlichen Berufsverkehrs einen Sitzstreik auf der Fahrbahn. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Zuvor hatten Demonstranten einen anderen Straßenabschnitt etwa eine Stunde lang blockiert, indem sie Öl und Nägel auf die Fahrbahn schütteten.
Scharon sagte zu diesen Aktionen: «Wir können nicht zulassen, dass Banden das Land untergraben. Wir müssen mit eiserner Faust gegen Hooligans vorgehen.» Auf einer Kabinettssitzung sprach sich der Ministerpräsident nach Angaben von Teilnehmern auch dafür aus, Rabbiner zu bestrafen, die ihre Anhänger zum Widerstand gegen den für Mitte August geplanten Abzug aus dem Gazastreifen und vier Siedlungen im Westjordanland aufrufen.
Tote an der Grenze zum Libanon Auch an der israelisch-libanesischen Grenze kam es am Mittwoch zu neuen Auseinandersetzungen. Die schiitische Hisbollah-Miliz griff drei israelischen Stellungen im Bereich der Tschebaa-Höfe an, deren Territorium nach israelischer Auffassung zu den von Syrien eroberten Golanhöhen gehört, aber auch vom Libanon beansprucht wird. Dabei wurden nach israelischen Angaben drei Menschen getötet. Wie ein Sprecher der Streitkräfte mitteilte, starb ein israelischer Soldat, drei weitere wurden verletzt. (nz)