12.04.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Radikale Siedler als Informanten angeworben
Um etwas über die Pläne der radikalen jüdischen Siedler im Gazastreifen zu erfahren, versucht Israels Inlandsgeheimdienst, dort Informanten anzuwerben. Er geht dabei jedoch ungeschickt vor.
Israelische Sicherheitskräfte versuchen derzeit, Informanten unter den Bewohnern des größten Siedlungsblocks im Gazastreifen, Gush Katif, zu finden – mit wenig Erfolg. Laut der Online-Ausgabe der «Jerusalem Post» ist der Inlands-Geheimdienst Shin Bet auf Informationen angewiesen, die nur direkt aus der Gruppe der Gegner eines israelischen Rückzugs aus dem Gebiet kommen können.
«Sie haben einige unserer erwachsenen Mitglieder angesprochen und ihnen Geld angeboten», sagte einer der rechtsgerichteten Siedler. Der Geheimdienst habe sogar versprochen, dass ein mögliches Vorstrafenregister gelöscht werde, sollte sich jemand bereit erklären, mit Shin Bet zusammenzuarbeiten.
Andere Siedler aus Gush Katif sagten dem Blatt, die Sicherheitskräfte hätten unter dem fiktiven Namen Nachshon gearbeitet und zunächst vor allem religiöse junge Männer angesprochen. Im vergangenen Monat sei jedoch eine Schülerin um Mitarbeit gebeten worden.
Ein Sprecher der Polizei wies diese Darstellung allerdings zurück. «Es gibt keine Einheit der israelischen Sicherheitskräfte, die Nachshon heißt», sagte Einat Gil-Tzubary. «Und minderjährige Informanten rekrutiert die Polizei nicht.»
«Klügere Methoden»Shin Bet beobachtet seit Monaten die zunehmend gewalttätigen Siedler in Gush Katif. «Wenn diesen nun auffällt, dass sie als Informanten missbraucht werden sollen, muss die Polizei klügere Methoden wählen», sagte der ehemalige Leiter der jüdischen Sektion im Gazastreifen, Menachem Landau.
Die Zusammenarbeit mit der Polizei müsse zudem besser koordiniert werden. «Sonst kommt das einer Schießerei aus der Hüfte gleich», sagte er dem Blatt: «Viele Patronen werden in alle Richtungen verschossen und Nebenstehende werden verletzt. Die eigentlichen Zielpersonen aber entkommen.» (nz)