17.07.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Jassir Arafat
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Nach mehreren Entführungen im Gazastreifen hat Palästinenser-Präsident Arafat den Notstand verhängt. Er feuerte den Polizeichef für die Autonomiegebiete, der ebenfalls in der Hand von Kidnappern war.
Nach der Verhängung des Ausnahmezustands über den Gazastreifen hat Palästinenser-Präsident Jassir Arafat den zuständigen Polizeichef Ghasi Dschabali entlassen. Wegen der verschärften Sicherheitslage wolle Arafat seine Sicherheitskräfte zudem in drei Etappen umstrukturien, meldet die Nachrichtenagentur AP.
Der Sicherheitsrat der Autonomiebehörde hatte in der Nacht zu Samstag nach einer Reihe von Entführungen den Notstand verkündet. Auch Dschabali hatte sich am Freitag mehrere Stunden lang in der Gewalt militanter Palästinenser befunden.
Die Schutzmaßnahmen für Regierungseinrichtungen wurden intensiviert. Für alle Mitglieder der Sicherheitskräfte gilt eine Urlaubssperre. Im Laufe des Tages will Ministerpräsident Ahmed Kurei mit seinem Kabinett zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.
Ein palästinensischer Beamter sagte der israelischen Zeitung «Ha'aretz», von der Sitzung hänge die Zukunft Kureis ab. Zu einem Bericht des israelischen Armeerundfunks, wonach die Regierung wahrscheinlich zurücktreten werde, wollten Berater Kureis nicht Stellung nehmen.
Erekat: Gefährliche LageDer palästinensische Minister Sajeb Erekat bezeichnete die Lage im Gazastreifen als «sehr ernst». Die Situation werde immer gefährlicher, warnte er.
Militante Palästinenser hatten zuvor vier Franzosen freigelassen, die für eine Hilfsorganisation arbeiten. Sie waren in Chan Junis im Süden des Gazastreifens entführt worden. Die Kidnapper wollten nach eigenen Angaben erreichen, dass die internationale Staatengemeinschaft auf die Notlage der Palästinenser unter israelischer Besatzung aufmerksam wird.
Noch ein Sicherheitsbeamter entführtAußer Dschabali war zweiter hoher Sicherheitsbeamter, der militärische Koordinator im Gazastreifen verschleppt worden. Das Schicksal von Oberst Chaleb Abu Alula ist zurzeit unklar.
Nach Einschätzung von Beobachtern ist zwischen verschiedenen palästinensische Gruppen ein Machtkampf im Gang. Angesichts des von Israel geplanten Abzugs aus dem Gazastreifen versuchen sie ihren Einfluss zu vergrößern. (nz)