19.05.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Palästinenser trägt verletztes Kind zum Krankenhaus
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Bei einem Angriff der israelischen Armee auf Demonstranten in Rafah sind mehr als 20 Palästinenser getötet worden. Unter ihnen waren auch viele Kinder.
Die israelische Armee hat am Mittwochmittag eine Menschenmenge im palästinensischen Flüchtlingslager Rafah angegriffen. Nach Angaben eines palästinensischen Krankenhauses starben dabei mindestens 22 Menschen, unter ihnen mindestens zehn Kinder und Jugendliche. Etwa 60 Menschen wurden zum Teil schwer verwundet. Die Armee bestätigte inzwischen, vier Geschosse abgefeuert zu haben.
Laut Augenzeugen wurden die Raketen von Helikoptern aus auf ungefähr 3000 Demonstranten abgeschossen, die sich zu einem Demonstrationszug gegen die Militäroffensive der israelischen Armee formiert hatten.
Notstand in Krankenhäusern ausgerufenDie Verwundeten wurden mit Krankenwagen, privaten Pkws und Eselskarren ins Krankenhaus gebracht. Treppen und Flure des Krankenhauses seien voller Blut gewesen, die Ärzte hätten Blutkonserven angefordert, hieß es.
Ein Krankenhaussprecher sagte, das Krankenhaus sei mit der Situation überfordert, in allen Krankenhäusern des Gaza-Streifens sei der Notstand ausgerufen worden. Palästinenserpräsident Jassir Arafat habe alle Ärzte aufgefordert, nach Rafah zu kommen.
Nächtliche RazzienIn der Nacht zum Mittwoch hatten israelische Soldaten erneut zahlreiche Häuser im Flüchtlingslager Rafah im Gazastreifen gestürmt. Sie zerstörten nach eigenen Angaben das Haus eines Aktivisten des Islamischen Dschihad, der für die Ermordung einer jüdischen Siedlerin und deren vier Töchter vor zwei Wochen verantwortlich sein soll. Zwei Männer seien bei der nächtlichen Razzia angeschossen worden. Der israelische Rundfunk meldete, insgesamt fünf Häuser seien am Mittwoch zerstört worden.
Heckenschützen lauern überallEinwohner von Rafah berichteten, wegen der Kämpfe könnten die Verletzten nur schwer in Krankenhäuser gebracht werden. Auch die Bergung der Toten sei schwierig, weil überall Heckenschützen lauerten. Zu Beginn der israelischen Offensive, die unter dem Namen «Operation Regenbogen» läuft, waren am Dienstag mindestens 20 Palästinenser getötet und mehr als 40 verletzt worden. Im Lager Rafah gibt es inzwischen keinen Strom mehr, auch die Wasserversorgung ist ausgefallen.
Ein Anwohner warf den Soldaten vor, zwei seiner Verwandten festgenommen und als lebende Schutzschilde bei ihrer Razzia benutzt zu haben.
Palästinenser sollen sich ergebenAm Mittwoch forderte die israelische Armee alle Männer, die 16 Jahre oder älter seien, auf, sich in einer Schule im südlichen Gaza-Streifen zu versammeln. Sie sollten eine weiße Fahne schwenken und sich ergeben, berichtet die israelische Zeitung «Ha'aretz».
Der israelische Verteidigungsminister Shaul Mofaz sagte am Mittwoch, die «Operation Regenbogen» werde so lange dauern wie nötig. Am Donnerstag will der israelische Generalstaatsanwalt Menachem Mazuz mit der Militärführung über juristische Fragen im Zusammenhang mit der Zerstörung palästinensischer Häuser sprechen, so Ha'aretz. Die Zerstörungen hatten weltweit Kritik hervorgerufen. Sie seien ein Kriegsverbrechen. Drei Resolutionen zur Verurteilung des Vorgehens Israels waren dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vorgelegt worden. Bisher hat der Sicherheitsrat das Verhalten Israels noch nicht verurteilt. (nz)