netzeitung.deIsraels Regierung verärgert über Barenboim

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Barenboim bei einem Konzert in Ramallah (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Barenboim bei einem Konzert in Ramallah
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Daniel Barenboim hat in Jerusalem für einen Eklat gesorgt. Bei einer Preisverleihung kritisierte er die Nahost-Politik Israels.

Mit Verärgerung hat die israelische Regierung auf Kritik des Dirigenten Daniel Barenboim reagiert. Der Generalmusikdirektor der Deutschen Staatsoper in Berlin stellte am Sonntag in Jerusalem erneut die Nahost-Politik des Kabinetts von Ministerpräsident Ariel Scharon in Frage.

«Kann eine Situation der Besatzung und Kontrolle über ein anderes Volk mit (Israels) Unabhängigkeitserklärung in Einklang gebracht werden?» fragte Barenboim, der im israelischen Parlament den Wolf-Preis in Empfang nahm. Es sei nicht nachvollziehbar, warum durch die Unabhängigkeit eines Volkes die Menschenrechte eines anderen Volkes verletzt werden müssten, sagte der in Argentinien geborene und in Israel aufgewachsene Musiker.

Bildungsministerin Limor Livnat äußerte daraufhin öffentlich ihr Missfallen: «Ich möchte mein Bedauern zum Ausdruck bringen, dass Herr Barenboim dieses Podium benutzt hat, um den Staat Israel anzugreifen.» Ihre Forderung, Barenboim den Preis abzuerkennen, ließ Livnat erst fallen, als der Dirigent versicherte, dass er niemanden habe verletzen wollen. Gegen die Ehrung Barenboims hatten zuvor bereits mehrere Abgeordnete der regierenden Likud-Partei protestiert.

Barenboim, der bereits mehrfach Kritik an Scharon übte, setzt sich seit längerem für eine Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern ein. Am Freitag dirigierte er ein Konzert des neu gegründeten Palästinensischen Jugendorchesters in der palästinensischen Stadt Ramallah. Tags darauf gab er ein Benefiz-Konzert in Jerusalem.

Katzav erinnert an Streit um Wagner
Nach dem Eklat in der Knesset erinnerte Staatschef Mosche Katzsav daran, dass Barenboim Israel bereits im Sommer 2001 mit der Aufführung von Werken Richard Wagners brüskiert habe. Unter dem Dirigenten hatte die Berliner Staatskapelle in Jerusalem die Ouvertüre aus «Tristan und Isolde» gespielt. Wagner ist in Israel tabu, weil er Antisemit war.

«Barenboim verdient Kritik, nicht nur für diese Äußerungen, sondern auch für seine Weigerung, sich bei Holocaust-Überlebenden zu entschuldigen, die beleidigt wurden, als er Werke Wagners aufführte», sagte Katzav laut der Zeitung «Ha'aretz».(nz)