netzeitung.deDer radikale Scheich

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Ahmad Jassin (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ahmad Jassin
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ahmed Jassin, der geistliche Führer und einer der Gründer der Hamas, ist tot. Mehrmals hatte Israel versucht, ihn ruhig zu stellen, nun wurde er bei einem gezielten Anschlag getötet. Thema: Tötung Jassins Hamas-Gründer Scheich Jassin bei israelischem Luftangriff auf Gaza getötet

Israelische Soldaten haben den geistlichen Führer der radikalen Hamas und einen der ärgsten Feinde des Staates Israel getötet, Scheich Ahmed Jassin. Trotz seiner Behinderung, er war blind und saß seit seiner Kindheit im Rollstuhl, galt er als wichtige Figur im palästinensischen Kampf. Der 67-Jährige hatte 1987 zu Beginn der ersten Intifada den militanten Arm der Hamas gegründet und damit die gesamte Organisation gewandelt. Bis zu seinem Tod hatte er immer wieder zum gewaltsamen Widerstand gegen Israel aufgerufen.

Jassin war 1936 in dem Dorf Madschdel in der Nähe der israelischen Stadt Aschkelon geboren worden. Das Dorf wurde während des israelisch-arabischen Krieges 1948 zerstört, Jassin wuchs in Flüchtlingslagern im Gazastreifen auf. Seit er bei einem Fußballspiel im Alter von zwölf Jahren verletzt wurde, ist er querschnittsgelähmt. Er ging in Gaza zur Schule und studierte anschließend in Kairo. Dort bekam er Kontakt mit der so genannten Muslimbruderschaft, einer Organisation ägyptischer Fundamentalisten.

Radikalisierung
In den siebziger Jahren gründete Jassin eine ähnliche Organisation in den Palästinenser-Gebieten und rekrutierte junge Aktivisten. Israel verhaftete ihn 1984 wegen Waffen- und Sprengstoffbesitzes und verurteilte ihn zu zwölf Jahren Haft. Er wurde nach einem Jahr in einem Gefangenenaustausch freigelassen.

Während der siebziger und der frühen achtziger Jahre machte die Hamas, der Name wurde damals noch nicht benutzt, kaum Politik und konzentrierte sich auf soziale Projekte in den besetzten Gebieten. Unter Jassin wandelte sich jedoch die gesamte Organisation. 1987 erschien in einem Flugblatt zum ersten Mal der Name «Hamas», eine Abkürzung für: Harakat al Mukawama al Islamija, die islamische Widerstandsbewegung. Zur gleichen Zeit begann der Kampf mit Gewalt gegen die Israelis und «Bestrafungen von Kollaborateuren».

Jassin predigte Gewalt und radikalisierte die Hamas weiter. Anfangs kämpfte sie nur gegen die Armee, doch später immer häufiger auch gegen zivile Ziele. So wurden auch Zivilisten als «militärische Ziele» bezeichnet, da sie Mitglieder eines Militärstaates seien.

Lebenslange Haft
Aufgrund seiner radikalen Predigten wurde Jassin von Israel verhaftet und 1991 wegen Anstiftung zum Mord an palästinensischen Kollaborateuren und der Ermordung zweier israelischen Soldaten zu lebenslanger Haft verurteilt. Erneut kam er durch einen Gefangenenaustausch frei, diesmal auf Drängen Jordaniens, und wurde nach acht Jahren Haft nach Jordanien abgeschoben.

Jassin kehrte nach Gaza zurück. Anfangs rief er zur Mäßigung auf und zeigte sich verhandlungsbereit. So schien es, als würden sich Hamas und palästinensische Autonomiebehörde annähern. Doch Jassin predigte weiter Gewalt, nun immer stärker gegen Zivilisten. Daraufhin wurde er von Palästinenserpräsident Jassir Arafat unter Hausarrests gestellt.

Im September 2003 versuchte die israelische Armee zum ersten Mal, den Scheich zu töten. Bei dem Luftangriff wurde er leicht verletzt. Der Angriff am heutigen Montag dagegen erreichte sein Ziel, Jassin starb mit dreier seiner Leibwächter beim Verlassen einer Moschee. (nz)