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Scheich Jassin bei israelischem Luftangriff getötet

22. Mrz 2004 06:55, ergänzt 10:14
Scheich Jassin
Mit einem gezielten Raketenangriff hat die israelische Armee den Gründer der radikal-islamischen Hamas, Scheich Jassin, getötet. Radikale Palästinenser drohen mit Rache in den kommenden Stunden.

Thema: Tötung Jassins
Der Gründer und geistige Führer der Hamas, Scheich Ahmed Jassin, ist bei einem gezielten Luftangriff auf Gaza-Stadt getötet worden. Wie Augenzeugen laut der Nachrichtenagentur AFP berichteten, schossen Kampfhubschrauber am Montagmorgen drei Raketen auf den gelähmten 67-Jährigen ab, als dieser im Rollstuhl eine Moschee verließ.

Nach Angaben der Hamas kamen mindestens sieben weitere Palästinenser ums Leben, unter ihnen auch die Leibwächter des Scheichs. Vermutlich sei auch ein Sohn Jassins unter den Opfern, berichtet die israelische Zeitung «Ha'aretz».

Demonstrationen

Aus Protest gegen den Angriff gingen am Montagmorgen zehntausende Palästinenser auf die Straße. Bei einer Demonstration in Chan Junis im südlichen Gazastreifen töteten israelische Soldaten laut AFP einen 13-jährigen Jungen. Die Palästinensergebiete wurden abgeriegelt.

Vom Gazastreifen aus wurden Raketen vom Typ Kassam auf Israel abgefeuert worden, hieß es im israelischen Radio. Ob es dabei Opfer gab, ist bislang nicht bekannt. Am Grenzübergang Eres zwischen dem Gazastreifen und Israel gab es eine Explosion. Vermutlich habe es sich um eine Mörsergranate gehandelt, berichtet die Nachrichtenagentur AP.

Drohungen auch gegen USA

Der bewaffnete Arm der Hamas, die Essedin-al-Kassam-Brigaden, kündigte nach dem Angriff an, hunderte Israelis zu töten. Laut einer Erklärung, die AFP vorliegt, richtet sich die Drohung auch gegen die USA. «Die Zionisten haben das nicht ohne grünes Licht der terroristischen amerikanischen Regierung getan, und die muss die Verantwortung für dieses Verbrechen übernehmen», heißt es darin.

Auch die Al-Aksa-Brigaden der Fatah von Palästinenserpräsident Jassir Arafat kündigten «in den kommenden Stunden» einen Gegenschlag an. Die Reaktion der Palästinenser werde einem Erdbeben gleichen, sagte ein Anrufer dem arabischen TV-Sender Al Arabija.

Scharon ordnete Tötung an

Laut Rundfunkberichten befahl der israelische Regierungschef Ariel Scharon die Tötung persönlich und überwachte sie.

Arafat verurteilte das Attentat und verhängte eine dreitägige Trauer in den Autonomiegebieten. Chefunterhändler Sajeb Erakat sprach gegenüber Al Arabija von einem «niederträchtigen Verbrechen». Die israelische Regierung habe sich für den «Weg der Eskalation» entschieden.

Erakat forderte die Staatengemeinschaft auf, die Palästinenser zu schützen. «Die Welt muss verstehen, dass der Kreislauf der Gewalt, das Chaos und das Blutvergießen niemals durch Morde, den Bau von Mauern und Besiedelung, sondern nur durch ein Ende der israelischen Besatzung gestoppt werden kann», sagte er.

USA ermahnen zur Ruhe

Israels Vize-Verteidigungsminister Seev Boim rechtfertigte die Tötung Jassins. Er habe «den Tod verdient für alle terroristischen Anschläge der Hamas», sagte er im Rundfunk.

Die US-Regierung rief nach dem Angriff auf Jassin zur Ruhe auf. Alle Seiten müssten sich jetzt zurückhalten, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Washington.

Die israelische Regierung hatte nach einem Doppel-Anschlag auf den Hafen Aschdod am Sonntag vor einer Woche angekündigt, noch schärfer gegen die Hamas vorzugehen. Zu dem Attentat mit zehn Toten hatten sich die Hamas und die Al Aksa-Brigaden bekannt.

Jassin hatte im September einen Angriff Israels leicht verletzt überlebt. (nz)

 
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