Steinbrück lenkt im Mehrwertsteuer-Streit ein
Im Kern geht es um die Forderung Frankreichs, für bestimmte Dienstleistungen die Mehrwertsteuer weiterhin bei 5,5 Prozent belassen zu können. In Frankreich gilt dieser Satz unter anderem für die Renovierung und Reparatur von Privatwohnungen, die Fenster und Gebäudereinigung sowie anderen haushaltsnahen Dienstleistungen.
Der französische Finanzminister Thierry Breton bestätigte nach dem Treffen mit Steinbrück, die Gespräche seien gut vorangekommen. Die Konturen eines Kompromisses zeichneten sich bereits ab. Aber weder Breton noch Steinbrück wollten Einzelheiten nennen. Eine Einigung auf europäischer Ebene war bisher an der ablehnenden Haltung Deutschlands und Dänemarks gescheitert.
Die große Koalition will von 2007 an die Mehrwertstsuer um drei Punkte auf 19 Prozent anheben. Nach Ansicht des ZDH ist das Handwerk von dieser Steuererhöhung stärker betroffen als andere Wirtschaftszweige: Handwerker seien hauptsächlich in der Binnenwirtschaft tätig, heißt es zur Begründung. Der Verband fordert deshalb einen reduzierten Saz für arbeitsintensive Bauleistungen.
Die FDP kritisierte dagegen das Einlenken des Finanzmimnisters: «Steinbrücks Haltung ist schon fast schizophren: den Franzosen hilft er jetzt indirekt beim Steuersenken, gleichzeitig greift er den Deutschen durch eine schamlose Steuererhöhungspolitik immer tiefer in die Taschen», sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP im Bundestag, Rainer Brüderle, der Netzeitung. «Wenn es dem Finanzminister wirklich um eine Steuerharmonisierung innerhalb Europas geht, darf er die Mehrwertsteuer bei uns nicht erhöhen.»
Sollten die Minister bei ihrem Ecofin-Treffen am Dienstag keine Einigung erzielen, werde «die Kommission ihre Verantwortung als Hüterin der Verträge wahrnehmen» - und ein Verfahren gegen die Mitgliedsstaaten einleiten.
Für das Web ediert von Marcus Gatzke

