30. Nov 2005 10:16
Die SPD will eine der ihren an die Spitze der KfW bringen. Wirtschaftsminister Glos ist hingegen an einer Weiterbeschäftigung des unionsnahen Bankiers Reich interessiert.
In der staatlichen KfW-Bank gibt es offenbar einen seit Wochen schwelenden Machtkampf um die Personalie des Vorstandssprechers. Die SPD will auf der Verwaltungsratssitzung am 9. Dezember den derzeitigen Amtsinhaber Hans Reich durch ihre Kandidatin Ingrid Matthäus-Maier ersetzen. Das berichtet die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) am Mittwoch unter Berufung auf Kreise.Ein Thema der Sitzung sei Reichs mögliche Vertragsverlängerung, dessen Amtszeit am 30. September 2006 ausläuft. Reich gilt als CDU-nah. In der Regel falle die Entscheidung über die Besetzung des Postens in den dafür zuständigen Ministerien Finanzen und Wirtschaft. Diesmal werde die Entscheidung aber aufgrund ihrer Brisanz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) getroffen.
Mit der Personalie entscheide sich, wer künftig Zugriff auf die so genannte Hausbank des Bundes habe, berichtet die Zeitung weiter. Der ehemalige Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) habe sich seinerzeit bereits auf die Politikerin Matthäus-Maier als Nachfolgerin für den Banker Reich festgelegt. Merkel habe bereits Sympathie für einen Vorstandsprecher mit Erfahrung im Bankgeschäft geäußert, so die «FAZ» weiter.Eichels Nachfolger Peer Steinbrück und Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (beide SPD) wollten gemeinsam für Matthäus-Maier eintreten. Damit behielte der kleinere Koalitionspartner in Berlin die Wirtschaftsförderung für sich.
Für Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sei hingegen eine Vertragsverlängerung Reichs sehr wichtig: Für ihn stelle sich die Frage, welche Mittel er zur Lenkung der Wirtschaft zur Verfügung habe, sollte die KfW-Spitze mit einer SPD-Politikerin besetzt werden. Nach dem neuen Zuschnitt der Ministerien hatte er unter anderem die Zuständigkeit für die Bundesagentur für Arbeit an Müntefering abgetreten. (nz)