23. Mai 2005 10:38
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft wird sich nach Einschätzung des Ifo-Instituts nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen nicht plötzlich bessern. «Die positiven Nachrichten müssen erst noch kommen.»
Das Münchener Ifo-Institut erwartet nach dem Regierungswechsel in Nordrhein-Westfalen und der Ankündigung, die Bundestagswahl auf den Herbst 2005 vorzuziehen, keinen plötzlichen Stimmungsaufschwung in der deutschen Wirtschaft. Zwar gebe es in der Wirtschaft die Bereitschaft, positive Nachrichten auch positiv aufzunehmen, sagte Ifo-Chefvolkswirt Gernot Nerb am Montag der Agentur dpa. «Die positiven Nachrichten müssen aber erst noch kommen.»Die Parteien müssten nun klare programmatische Reform-Konzepte vorlegen, damit sich die Stimmung nachhaltig bessere, ergänzte Nerb. Seiner Einschätzung nach habe Rot-Grün die Wahl in Nordrhein-Westfalen nicht wegen ihrer Reformpolitik verloren: «Ich glaube, dass den Leuten die Reformen nicht weit genug gingen.»
Das Ifo-Institut veröffentlicht am Mittwoch den Geschäftsklimaindex für den Monat Mai. Der Großteil der Antworten sei aber bereits vor den Landtagswahlen an Rhein und Ruhr eingegangen, sagte Nerb weiter. Im April war das Konjunkturbarometer von 94,0 auf 93,3 Punkte gefallen. Dies war der dritte Rückgang in Folge und der niedrigste Stand seit Herbst 2003.An der Börse legte der Dax am Vormittag nach der NRW-Wahl zu. Mehrere Händler sagten, dass die Aussicht auf vorgezogene Bundestagswahlen und damit einen Regierungswechsel die Stimmung am Aktienmarkt aufgehellt habe. Nun könnten wichtige Reformen in der Wirtschaftspolitik vermutlich schneller umgesetzt werden. (nz)