netzeitung.deDer Mittelstand hat ein Kreditproblem

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Erstmals seit Anfang der 90er Jahre gehen die Kreditzusagen zurück Grafik: nz (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Erstmals seit Anfang der 90er Jahre gehen die Kreditzusagen zurück Grafik: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Eine KfW-Studie bestätigt, dass es für kleine und mittlere Unternehmen schwerer wird, sich Geld zu leihen. Dieser Trend dürfte auch nach dem Ende der Konjunkturkrise anhalten. Hintergrund: Basel II bricht Mittelstand nicht das Genick Bankchef: Basel II nicht überbewerten

Die Klagen des Mittelstands über den erschwerten Zugang zu Krediten sind berechtigt. In der Tat geht das Kreditneugeschäft zurück. Zu diesem Ergebnis kommt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in einer neuen Studie.

Dies ist demnach aber nicht auf die Willkür der Banken zurückzuführen, sondern hat konjunkturelle und strukturelle Ursachen. Der Ausblick der KfW dürfte den Mittelstand nicht erfreuen: Auch nach dem Ende der Wirtschaftsflaute wird sich die Lage nicht merklich für die Unternehmen bessern.

Jeder Dritte hat Kreditprobleme
Die KfW kommt nach einer Umfrage unter Unternehmen zu dem Schluss, dass sich bereits jetzt die Finanzierungsbedingungen für knapp ein Drittel der Unternehmen deutlich verschlechtert haben. Sie hat nach eigenen Angaben einen Indikator entwickelt, der die Entwicklung der neu vergebenen Kredite angeben soll.

Demnach sind die geschätzten Kredit-Neuzusagen in den vergangenen vier Quartalen jeweils im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sieben Prozent zurückgegangen. Am stärksten sei der Einbruch bei den privaten Kreditbanken gewesen mit minus 16 Prozent.

Genossenschaftsbanken und Sparkassen hätten im Kreditmarkt eine «Pufferfunktion», heißt es in der Studie weiter. Die Genossenschaftsbanken wiesen einen Rückgang von vier Prozent bei der Neukreditvergabe aus. Sparkassen hätten im vergangenen Jahr sogar noch durchschnittlich zwei Prozent mehr Kredite erteilt, die Bilanz sei in diesem Jahr aber auch rückläufig.

Banken sind keine Verweigerer
Den Vorwurf, die Banken verweigerten willkürlich die Kredite, lässt die KfW aber nicht gelten. Dafür gebe es «keine Anzeichen», schreibt sie. Vielmehr gebe es konjunkturelle und strukturelle Gründe für die Entwicklung.

Bedingt durch die Wirtschaftsflaute hätten viele Unternehmen weniger investiert und auch entsprechend weniger Kredite nachgefragt. Außerdem steige in Zeiten der Krise das Ausfallrisiko der Kredite, was zu höheren Zinsen führe.

Banken selbst in Not
Hinzu komme die Strukturkrise der Banken. Diese litten unter sinkenden Margen. Der Zinsüberschuss in Prozent der Bilanzsumme habe 1994 noch 1,89 Prozent betragen, im Jahr 2000 aber nur noch 1,15 Prozent, schreibt die KfW. Dieser Faktor fällt unabhängig von der Wirtschaftsflaute an.

Daher ziehen die Experten den Schluss, dass sich der Mittelstand dauerhaft auf teurere Kredite einstellen muss: «Folglich muss damit gerechnet werden, dass sich die Kreditneuvergabe auch nach Ende der Konjunkturflaute aufgrund der strukturellen Veränderungen im deutschen Bankensektor nicht deutlich erholen werde», heißt es in der Studie. (nz)

Die Grafik zeigt die Entwicklung bei den neu zugesagten Krediten, jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat.Grafik: nz / Quelle: KfW-Schätzung