Internet macht TV zum Nebenmedium
Zudem stellen die Autoren «nun klare Substitutionseffekte zwischen Internetnutzung und TV-Konsum fest». Das bedeutet: Wer im Netz unterwegs ist, sieht weniger fern als seine Altersgenossen. Bisherige wissenschaftliche Untersuchungen hatten stets ergeben, dass sich durch neue Angebote die Zeit, die Nutzer für Medien aufwenden, ausweitet, so dass ein etabliertes Medium nicht unbedingt unter neuen technischen Entwicklungen leiden musste.
«Der tägliche Fernsehkonsum ist bei den befragten Medienkonsumenten mit Internetzugang fast eine halbe Stunde pro Tag geringer als bei denjenigen, die zuhause keinen Internetzugang haben», heißt es in der Studie. Das entspricht einer Differenz von 20 Prozent.
Außerdem lassen sich Männer stärker auf das Netz ein als Frauen: Während für 50 Prozent der männlichen Mediennutzer «das Internet voll oder zumindest teilweise die Funktion des Fernsehens übernommen hat», sei das nur bei einem Zehntel der weiblichen Befragten der Fall.
Allerdings geben 33 Prozent an, beiden Medien die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken, wenn sie parallel laufen. Für 30 Prozent ergänzen sich Internet und TV im Sinne crossmedialer Nutzung. Sie suchen also nach Zusatzinformationen zu TV-Sendungen oder weiterführenden Links zu dort behandelten Themen.
Dieser durch die Studie festgestellte «tief greifende Wandel in der Mediennutzung» sei «ein insgesamt irreversibler Prozess», urteilen die Autoren. Denn die eingeübte Mediennutzung präge «das weitere Verhalten in der Zukunft», stellen sie fest. Daher ist die Frage des Verhältnisses der beiden elektronischen Medien vor allem unter den Jüngeren von Bedeutung. Bereits heute sprechen sich laut Umfrage 59 Prozent der 14- bis 19-Jährigen eher für ein «Internet mit der Möglichkeit fernzusehen» aus als für ein «Fernsehen mit den Möglichkeiten des Internets», heißt es weiter. Bei den 30- bis 39-Jährigen sind sie mit 35 Prozent dagegen noch deutlich in der Minderheit.
In welche Richtung der Trend geht, zeigt sich bereits an der Beurteilung der beiden Medien für die Meinungsbildung der jüngeren Konsumenten. «Als Medium für die Meinungsbildung hat das Internet bei den 14- bis 39-Jährigen das Fernsehen bereits überholt», heißt es weiter. Denn für 55 Prozent der Befragten sei «das Internet eine wertvolle Hilfe für die individuelle Meinungsbildung, doch nur 39 Prozent billigen dieses Funktion dem Fernsehen zu». Insgesamt wurden mehr als 500 repräsentativ ausgewählte Menschen in Deutschland zwischen dem Winter 2004 und dem Frühling dieses Jahres für die Studie befragt. (nz)
