«Die 68er beim Marsch aus den Institutionen»
22. Mai 2005 23:33
 |  Michael Wolffsohn | | Foto: dpa |
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Der Historiker Michael Wolffsohn sieht alle «rot-grünen Schattierungen» im Abwärtstrend. Eine Analyse über «Entstehung, Aufstieg und nun Fall der 68er».
Von Michael WolffsohnDie Wahlen in Nordrhein-Westfalen und die bevorstehenden Bundestagswahlen kann man bereits jetzt historisch einordnen. Die Überschrift lautet: Entstehung, Aufstieg und nun Fall der links von der Mitte stehenden, schon immer weitgehend roten und grünen 68er Generation. Viele Schattierungen wies dieses Rotgrün der 68er auf: Hellrot, Mittel-, Dunkelrot. Real-Grün und Fundamental-Grün. Nun sind alle rotgrünen Schattierungen im Abwärtsstrudel. Den «Marsch durch die Institutionen» wollten die aufmüpfigen 68er mit ihrer Studenten- und Jugendrevolte seit 1968. Ende der 60er Jahre begannen sie den Marsch zu den Institutionen. In den 90er Jahren begannen sie den Marsch durch die Institutionen; zunächst in den Bundesländern und seit 1998 im Bund.
«Nicht vom Brot allein» In diesem Jahr, 2005, sind sie mitten im Marsch aus den Institutionen. Wenn es weder eine Sintflut noch einen Krieg, einen Weltuntergang oder eine andere Katastrophe gibt, endet in diesem Jahr ihr Marsch aus den Institutionen. Ein Merkmal der rotgrünen 68er sticht heraus: ihre, wie sie es nennen postmaterielle Lebenseinstellung und Weltsicht. Sie sagten und sagen ungefähr dies: «Von Ideen lebt der Mensch». Und sie sagten und sagen (ohne die Bibel als Quelle zu nennen): «Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.»
«Von anderen verdientes Geld ausgeben» Das stimmt. Aber es stimmt auch: Ohne Brot lebt der Mensch nicht. Die rotgrünen 68er haben folgerichtig Brot-und-Butter-Probleme lange vernachlässigt. Sie gaben lieber das von anderen Leuten verdiente Geld aus. Früher das Geld von Papi und Mami, in Regierungsverantwortung das Geld der Bürger. Gerhard Schröder, das gebietet die Wahrheit und Wahrhaftigkeit, hat sich aus kleinsten Verhältnissen und ohne elterliche Knete hochgearbeitet, aber als Ministerpräsident Niedersachsens und als Bundeskanzler auch gerne das von anderen verdiente Geld ausgegeben.
Unterstützung verloren Wie man für Staat, Gesellschaft und Wirtschaft Geld verdienen kann, haben die rotgrünen 68er lange nicht wissen wollen. Als sie es in der rotgrünen Koalition in NRW und im Bund wissen mussten, wussten sie es nicht. So verloren sie die Unterstützung derer, die sich alltäglich mühen, um Geld zu verdienen und die Sympathie derer, die gerne arbeiten würden, um Geld zu verdienen. CDU/CSU und FDP werden sich weniger mit großen Ideen beschäftigen. Das mag langweilig sein. Aber sie werden sich mit der Beschaffung von Beschäftigung beschäftigen. Die Wahl haben nun die Wähler.
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