netzeitung.deBank will Zinsen schon für Kreditrahmen

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Auf mittelständische Bankkunden kommt ein neuer Kostenfaktor zu: Mit der Hypovereinsbank verlangt die erste Großbank Zinsen schon für das bloße Einräumen eines Dispositionskredites.

Die Hypovereinsbank will Bereitstellungszinsen für Überziehungskredite von Firmenkunden verlangen, wenn diese ihr Konto nicht überziehen. Die «Süddeutsche Zeitung» berichtete am Montag über den Chef einer Elektrotechnik-Firma, den die Großbank per Brief vor die Wahl stellte, entweder auf die Kreditlinie zu verzichten oder aber «eine Bereitstellungsprovision in Höhe von drei Prozent per anno auf den jeweils zugesagten, aber nicht beanspruchten Kredit» zu berechnen.

Damit betritt die Bank laut «SZ» Neuland im Kreditgeschäft. Nur bei vereinzelten Sparkassen gebe es eine solche Praxis, die Hypovereinsbank sei die erste Großbank, die mit solch einem Ansinnen vorpresche, berichtete die Zeitung. Sollte das Beispiel Schule machen, müssen vor allem mittelständische Unternehmen neue Kosten fürchten.

Kunde nicht lukrativ genug
Die Hypovereinsbank schrieb laut «SZ» insgesamt 60 Firmenkunden an. Ihnen gemeinsam war, dass sie über «brach liegende Kreditlinien» verfügten, sprich, dass sie ihr Konto nicht überzogen und der Bank damit nicht die Berechnung traditionell saftiger Zinsen ermöglichten.

Die Hypovereinsbank bestätigte den Vorgang auf Anfrage der Netzeitung am Montag im Wesentlichen. «Ziel ist es, die Kundenbeziehung individuell so zu gestalten, dass sie für Kunden und die Bank attraktiv ist», sagte Banksprecherin Cornelia Kleiler der Netzeitung. Es seien vereinzelt solche Briefe geschrieben worden wie in der Zeitung beschrieben.

Die Bank habe aber davon abgesehen, alle Firmenkunden flächendeckend anzuschreiben, sagte Kleiler weiter. Die Vereinbarungen zwischen Bank und Kunde sollten im Rahmen der individuellen Beratung festgelegt werden. Das Geschäft mit einem Firmenkunden bestehe aus einer Vielzahl von Komponenten. Der Kunde müsse das Gesamtpaket betrachten.

Vorbereitet in Verhandlungen gehen
Für Firmenkunden kann das nur heißen: Aufpassen beim Aushandeln der Geschäftsbeziehungen. So konnte die besagte Elektrotechnik-Firma die Hypovereinsbank dazu bewegen, statt drei nur noch 1,75 Prozent Zins zu berechnen. Vielleicht rechnet sich der Bereitstellungszins sogar, wenn im Gegenzug zum Beispiel günstigere Überziehungszinsen vereinbart werden. Denn eine Bank, die Bereitstellungszinsen verlangt, muss nicht unbedingt teurer sein als eine, die sie nicht erhebt.

Schlecht fürs Image dürften die Pläne allemal sein. Wer zahlt schon gerne für eine Leistung, die er nicht in Anspruch genommen hat. Ein Sprecher der Dresdner Bank brachte es in der «SZ» so auf den Punkt: «Gibt es bei uns nicht, würden wir auch nicht tun. Das macht kein Kunde mit.»

Unbestritten ist, dass die Bereitstellung einer Kreditlinie die Kosten der Bank treibt. «Wir können Kredite nur einmal vergeben», sagte ein Banksprecher der «SZ». Die Hypovereinsbank müsse für die Bereitstellung von Kreditlinien auf das Kontokorrentkonto genauso viele Mittel reservieren wie für tatsächlich ausgegebene Darlehen. Banken müssen nach derzeitigem Recht für die Hälfte des angesetzten Betrags den üblichen Eigenkapitalanteil von acht Prozent zurücklegen.

Privatkunden außen vor
In Branchenkreisen hieß es denn auch am Montag, der Versuch der Hypovereinsbank sei nachvollziehbar, sich einen Teil der Kosten zurückzuholen. Für Firmenkunden in Deutschland sei das Ansinnen aber eine neue Erfahrung. Ein Trost für den Privatkunden: Sie müssen keine Angst haben, auch für ihren Überziehungskredit zur Kasse gebeten zu werden. «Das sind andere Volumina. Da wäre der Bearbeitungsaufwand zu hoch», sagte ein Branchenkenner der Netzeitung.

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