US-Leitzinsen überraschend stark gesenkt
06.11.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Der Ball liegt nun bei der Europäischen Zentralbank (EZB), die am Donnerstag ebenfalls über die Höhe der Leitzinsen befindet. Diese liegen derzeit bei 3,25 Prozent, so dass es ein steigendes Zinsgefälle zwischen den USA und Europa gibt. Die meisten Experten erwarten aber ein Beibehalten der Leitzinsen in der Eurozone.
Jüngste Wirtschaftsdaten hätten die zunehmende Unsicherheit in der Wirtschaft bestätigt. Dies gehe zum Teil auch auf höhere geopolitische Risiken zurück, begründete die Fed mit Blick auf einen möglichen Golfkrieg ihre einstimmig getroffene Entscheidung. Dies dämpfe den Konsum, die Produktion und die Beschäftigung.
Dow Jones und Nasdaq Composite an der Wall Street zogen nach Bekanntwerden der Entscheidung kurz an, fielen kurzzeitig wieder auf ihre früheren Stände kurz über den Vortagesschlussständen zurück, um anschließend wieder etwas zuzulegen. Analysten wiesen darauf hin, dass die Aktienkurse schon in den vergangenen Tagen in Erwartung einer Zinssenkung gestiegen waren. Die Anleger seien offenbar auch verwirrt, warum die Fed so deutlich die Zinsen senke, gleichzeitig aber andeute, mehr sei vorläufig nicht zu erwarten. Anleihen gaben nach. Der Euro erreichte wieder die Parität mit dem Dollar.
Zuletzt hatte die Fed den Interbankensatz für Tagesgeld Anfang Dezember vergangenen Jahres auf 1,75 Prozent gesenkt. Seitdem lagen sie auf einem 40-Jahrestief. Im Jahr 2001 wurden die US-Leitzinsen damit insgesamt elf Mal von 6,0 Prozent auf 1,75 Prozent gesenkt. Schon bei der jüngsten Zinssitzung im September hatte die Fed ihre Entscheidung für ein Beibehalten der Zinshöhe nicht mehr einstimmig gefällt. Diesmal hatten die Befürworter einer Zinssenkung die Oberhand.
Spannend war am Mittwoch demnach nur, ob die Fed den Leitsatz gleich um einen halben Prozentpunkt oder um einen viertel Prozentpunkt senken würde. Dabei hatten einige Experten argumentiert, die Fed sei gut beraten, nicht gleich ihr ganzes Pulver zu verschießen. Schließlich sei ein neuer Golfkrieg und damit eine neue Belastung für die US-Wirtschaft zu erwarten. (nz)
