Der Weg in eine saubere Zukunft:
Klimaschutz mit LSD
01. Apr 2008 16:14, ergänzt 04. Apr 2008 14:01
 |  So einfach ist das Treibhausgas Kohlendioxid nicht zu entsorgen | Foto: dpa |
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Kann ich mit meiner Energiesparlampe das Monster Klimakatastrophe aufhalten? Selbst George W. Bush wohnt ja mittlerweile in einem umweltfreundlichen Ökohaus.
Patrick Loewenstein bringt Licht ins Dunkel.
Was der einzelne Bürger für den Klimaschutz tun kann und welche alternativen Konzepte es dafür gibt, soll hier beleuchtet werden. Denkt man die Ziele des Kyoto-Protokolls in Richtung einer nahezu emissionsfreien Gesellschaft weiter, sind großtechnische Lösungen nicht ausreichend.
Die Entwicklung muss mit einem Wandel im Konsumverhalten der Menschen einhergehen. Um die Dimension zu verdeutlichen: Fast die Hälfte aller Kohlendioxid(CO2)-Emissionen in den USA sind laut einer Studie direkt Haushaltkonsumakten zuzuschreiben (Dowlatabadi und Bin, 2005).
Der Flug nach Goa versaut die Ökobilanz
Studien, die die Co2-Bilanzen der Bevölkerung festgestellt haben, kamen zu einem interessanten Ergebnis. Der umwelt- und energiebewusste Bürger ohne Auto, in der Stadt oder in der Kommune auf dem Land, hat oft keine bessere CO2-Bilanz als die meisten anderen Bürger. Schuld ist die alljährliche Fernreise nach Goa oder Thailand, sie ruiniert die Bilanz – nachhaltig.
Im Durchschnitt erzeugt ein Bundesbürger elf Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr. Die tatsächliche Emission bewegt sich aber in einer Spanne von etwa fünf bis 20 Tonnen. Menschen, die auf Grund ihrer Einkommenssituation, ihres Alters oder ihrer Gesinnung nicht fliegen oder kein Auto fahren, verhalten sich «umweltfreundlicher» und sollten dafür belohnt werden.
Wer fliegen will, muss zahlen
Nach dem jetzigen Modell wird der Emissionshandel zwischen Großunternehmen stattfinden. Fritz Reusswig vom Potsdam-Institut für Klimaforschung, Bereich für Konsum- und Lebensstilforschung, regt an, den Handel zu privatisieren. Jeder Mensch hätte dann ein bestimmtes Kontingent an CO2 pro Jahr zur Verfügung. Auch Privatpersonen könnten dann mit ihren Emissionsrechten handeln. Menschen, die CO2 «gespart» haben, könnten ihr Kontingent dann weiterverkaufen. Ein Flugreisender würden dann neben seinem Ticket ein entsprechendes CO2-Kontingent erwerben müssen. Klimaschutz würde so auch privat einen monetären Anreiz bieten.
Pioniere der Windkraft
Initialzündung der Windkraft-Bewegung war der Gau in Tschernobyl 1986. Nach der Reaktorkatastrophe wurden in Deutschland die ersten Windräder gebaut – nicht von ungefähr in der Sichtweite von Atomkraftwerken. Die ersten Anlagen waren vollkommen unwirtschaftlich, sie hatten allerdings eine gewisse Symbolkraft und wurden in den achtziger Jahren auch eine politisch Wirkung. Das Engagement der Aktivisten mündete im Stromeinspeisungsgesetz (1991) und im Erneuerbare-Energien-Gesetz (2000). Die «Grasroot»-Bewegung hatte also bemerkenswerte Folgen.
Ökonomie statt Ökologie
Durch die veränderte Gesetzeslage wird mit der Produktion von sauberer Energie mittlerweile viel Geld verdient. Heute verfügt Deutschland über Spitzentechnologie auf dem Windkraftsektor und ist weltweit Marktführer. Nicht so sehr der Wandel im Bewusstsein hat dies ermöglicht, sondern die Gewinnmargen im boomenden Geschäft mit den regenerativen Energien. Das politisch-ideologisch geleitete Handeln der frühen Jahre ist ökonomischen Motiven gewichen.
Druck von unten
Die Arbeit von klimabewussten NGOs hat zusammen mit Al Gores Film «Eine unbequeme Wahrheit» einen «Druck von unten» erzeugt, der dazu führte, dass im US-amerikanischen Wahlkampf alle Spitzenkandidaten die Rettung des Weltklimas groß auf ihre Fahnen geschrieben haben. Weltweit entsteht zurzeit bezüglich der Treibhausgasemissionen eine neue politisch-ideologische Form des Handels. Um diesen Effekt weiter zu nutzen, ist - wie bei den Anfängen der Windkraft - das Individuum als Verbraucher und Bürger gefragt.
LSD (Life-Style-Dynamics)
Der dynamische Wandel von Lebensstilen und Werten (Life-Style-Dynamics) stellt eine wichtige Funktion dar, gesamt-gesellschaftlich und individuell. In ihrer Rolle als Konsumenten können die einzelnen Verbraucher durch Marktpräferenzen Einfluss nehmen. Eine Änderung in der Konsumentenorientierung in den Bereichen Mobilität, Nahrungsmittelkonsum und Energieverbrauch im Haushalt (Auto, Essen, Haus, Urlaub) hätte einen wesentlichen Effekt.
Verbrauchsmuster mit starken Emissionen, wie die hohe Bewertung privater Mobilität oder den Verzehr von Fleisch, sind zu überdenken. In England gibt es bereits «CO2-Labels» auf den Verpackungen von Kartoffelchips und Haar-Shampoo. Der Verbraucher kann sich also entscheiden, klimabewusst einzukaufen. Diese Kennzeichnung sollte flächendeckend eingeführt werden.
Steuerung durch die Politik
Voraussetzung für einen Wertewandel ist eine ethisch ausgerichtete Diskussion über Konsumentscheidungen. Auch die weitergehende Beeinflussung von Indusrtie und Konsumenten durch Steuer-, Verkehrs- Familien- und Landwirtschaftspolitik, weist noch deutliche Lücken auf. Zurzeit wird der Verbraucher an der Kasse oft noch bestraft, wenn er CO2-freundliche Produkte erwirbt.